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Montag, 7. Mai 2012

Rezension...Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery

Die Autorin:

Muriel Barbery wurde 1969 geboren, studierte Philosophie in Frankreich und lebt seit einigen Monaten in Kyoto. Ihr Romandebüt, "Die letzte Delikatesse", erschien 2000 und wurde in 14 Sprachen übersetzt. "Die Eleganz des Igels", ihr zweiter Roman, wurde zu dem literarischen Bestseller des Jahres 2007 in Frankreich, in 31 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet (u.a. mit dem "Prix Georges Brassens 2006", dem "Prix des libraires 2007" dem "Prix Rotary International").
Auf der folgenden Homepage findet ihr eigentlich alle wichtigen Informationen rund um das Buch. Alle Personen, der Stadtpalais, "Die Suche nach der Schönheit" der Welt werden vorgestellt. Außerdem gibt es zwei Interviews mit der Autorin.
Ganz tolle Homepage über das Buch und seine Autorin ]

Inhalt:

Renée ist 54 Jahre alt und lebt seit 27 Jahren als Concierge in der Rue de Grenelle 7 in Paris. Sie ist klein, häßlich, hat Hühneraugen an den Füßen und ist seit längerem Witwe.
Paloma ist 12, hat reiche Eltern und wohnt in demselben Stadtpalais. Renée führt eine Art Doppelleben: Sie spielt die einfältige Concierge, in Wirklichkeit aber ist sie ungemein gebildet. Während der ruhigen Stunden im Haus hat sie die großen Werke der Literatur und Philosophie gelesen und blickt höchst wachsam auf die Welt und das oft eigenartige Treiben ihrer reichen Nachbarn. Und Paloma? Altklug wie sie ist, hat sie beschlossen, erst gar nicht in die verlogene Welt der Erwachsenen einzutauchen. Sie will sich noch ein paar grundlegende Gedanken über die Welt machen - sich dann aber an ihrem 13. Geburtstag umbringen. Als jedoch Monsieur Ozu, ein japanischer Geschäftsmann, einzieht, verändert sich das Leben im Stadtpalais ganz überraschend.



Daten im Überblick: 
Taschenbuch: 
Autor: Muriel Barbery
ISBN: 9783423138147                                                              Seiten: 380
Verlag: dtv
Auflage: 6 (Oktober 2009)
Preis: 9,90 €


Eigene Meinung:

Aufgrund einiger Anfangsschwierigkeiten ist man vielleicht dazu geneigt dieses Buch aus der Hand zu legen und nie wieder anzufassen, allerdings verpasst man dann einen ganz besonderen Roman.

Wunderbar einfühlsam und grausam realistisch erzählt eine alte Concierge, die von den reichen Bewohnern der Rue de Grenelle 7 aus Gewohnheit übersehen wird, philosophisch über den Alltag und welch sonderbare und bizarre Beobachtungen zu machen sind, wenn tatsächlich Nichts von irgendjemanden erwartet wird. In dieser Pariser „Wohngemeinschaft“ lebt ein zwölfeinhalbjähriges Mädchen namens Paloma, dass die Falschheit in der Welt und die Schwachsinnigkeit der Erwachsenen als einen Zustand ansieht, der die Menschen in einem Goldfischglas gefangen hält. Und genau deshalb möchte sie nicht (um das Wort nie nicht zu gebrauchen ) so werden.

Das Buch lehrt die Schönheit und Kamelien und fragt ganz offen und genauso verzweifelt nach der Schönheit der Welt. Worin soll diese Schönheit schließlich bestehen, wenn alle Menschen bloß ihren Träumen nachjagen da sie die Wirklichkeit nicht ertragen können? In der Liebe, der Hoffnung, oder in den „kleinen Dingen des Alltags“? Die Autorin entschlüsselt dies eindrucksvoll und tiefgründig.
Der Schreibstil mag zwar zunächst ungewohnt sein, nicht zuletzt durch die vielen Fremdwörter. Dennoch ist es dieser Schreibstil der den Charakter der Concierge und von Paloma festigt. Die Kapitel sind nicht allzu lang gehalten, so dass der Leser nach jeder gelesenen Szene die Philosophie aus der Rue de Grenelle 7 noch einmal auf sich wirken lassen kann und vielleicht sogar auf sein Leben beziehen kann. Da die meisten dieser Gedanken recht komplex sind finde ich diese Einteilung (mit sehr interessanten Überschriften) richtig gewählt.

Für mich ist es ein Buch, was man gelesen haben muss. Es versprüht dieses typische französische Flair, ist aber trotzdem ganz anders als andere Bücher, auch als französische Bücher.
Man könnte „Die Eleganz des Igels“ sogar als politisch betrachten, als ein Werk, dass die seit Jahrzehnten verankerte soziale Ordnung, eine „Klassengesellschaft“ in Paris, Frankreich, Europa und anderen Kontinenten aufzeigen will.
Man kann es als ein moralisches Werk beachten, dass eindrucksvoll lehrt, dass man die Intelligenz nicht am Flimmern eines Fernsehers und dem Tragen einer Schürze ablesen kann.
Für mich war es beides zugleich, aber Muriel Barbery zeigt nicht mit dem Zeigefinger auf die Reichen oder Schwachsinnigen. Denn keine Concierge und kein 12-jähriges Mädchen würden sich diese Frechheit herausnehmen…
FAZIT
Für mich ein Buch, das jeder gelesen haben sollte. Es überzeugt mit einer Philosophie die den Alltag zerlegt, die kostbaren, skurrilen oder erwähnenswerten Momente herausnimmt und sie näher betrachtet – einfach um vielleicht das Gegenteil festzustellen oder die Magie des Augenblicks, die Magie von Kamelien zu verstehen. Auch wenn der Schreibstil am Anfang nicht ganz leicht zu lesen sein sollte, lohnt es sich die Handlung weiter zu verfolgen.
4,5/5 Punkte

Sonntag, 22. April 2012

Rezension...Extrem laut und unglaublich nah von Jonathan Safran Foer

Der Autor:

Der Autor Jonathan Safran Foer wurde 1977 in Washington geboren. Er studierte in Princeton Philosophie und lebt und arbeitet heute in New York. Seit 2001 arbeitet Foer als Literat, nachdem er vorher als Ghostwriter tätig war. Er war Mitherausgeber einer Sammelschrift zu Ehren des New Yorker Künstlers Joseph Cornell. Sein erster eigener Roman „Alles ist erleuchtet“ machte ihn mit einem Schlag bekannt. Das Buch über die leicht autobiographische Reise zu den jüdischen Wurzeln hat die meisten Feuilletonisten einhellig zu dem Urteil eines der besten Bücher des Jahres verleitet.Der Roman wurde auch unter der Regie von Liev Schreiber verfilmt. Die Hauptrolle spielt Elijah Wood.
Auch sein zweiter Roman "Extrem laut und unglaublich nah", brach wiederum sämtliche Verkaufs- und Kritikerrekorde.
Sein erstes Sachbuch "Tiere essen" erschien im August 2010 im KiWi Verlag und behandelt den Vegetarismus sowie die Massentierhaltung.

Inhalt:

Oskar Schell ist altklug und naseweis, hochbegabt und phantasievoll. Eine kleine Nervensäge, die schon mit neun Jahren eine Visitenkarte vorweist, auf der er sich als Erfinder, Schmuckdesigner und Tamburinspieler ausweist. Vor allem aber ist Oskar todtraurig und tief verstört. Nachdem sein Vater beim Angriff auf das Word Trade Center ums Leben kam, will er herausfinden, warum Thomas Schell sich ausgerechnet an diesem Tag dort aufhielt. Mit seinem Tamburin zieht Oskar durch New York und gerät in aberwitzige Abenteuer.

Daten im Überblick:

Taschenbuch:
Autor: Jonathan Safran Foer
Originaltitel: Extremly loud and incredible close
ISBN: 9783596169221
Seiten: 464
Verlag: Fischer Verlag
Auflage: Auflage 13
Preis: 9,95 €








Anmerkung: *S* = SPOILER, bei diesem Spoiler rede ich über das Ende, weil ich da noch ein bisschen Redebedarf hatte. Deswegen solltet ihr die Fläche besser nicht markieren wenn ihr das Buch noch lesen wollt!


Eigene Meinung:

Wenn ein Buch solch ein intensives Thema aufgreift und darüber ein Titel wie „Extrem laut und unglaublich nah“ steht, dann kann man sich sicher sein, dass auch das Buch emotional wird.

Oskar Schell ist hochbegabt, er hat einen großen Wissensdurst und malt sich gerne die verrücktesten Sachen aus. Doch seit dem Tod seines Vaters bei den Anschlägen auf das World Trade Center, gibt es in seinem Leben eine große Lücke.

„ Ich fand es Klasse einen Dad zu haben, der schlauer als die New York Times war, und ich fand es Klasse, dass ich durch sein T-Shirt die haare auf seiner Brust an meiner Wange spüren konnte und dass er selbst am ende des Tages immer noch nach Rasieren roch. Bei ihm kam mein Kopf zur Ruhe. Ich brauchte mir nichts mehr auszudenken.“ Seite 26

Er will wissen wie Thomas Schell, sein Vater, gestorben ist. Und er will ihm wieder nah sein. Als er einen seltsamen Schlüssel entdeckt begibt er sich durch eine Reise quer durch New York, klopft an hunderte Türen nur um das Schloss zu finden. Denn er ist sich sicher, es muss die Lösung zu dem letzten Rätsel sein, dass sein Vater ihm bei einer Entdeckungstour aufgegeben hat.

Diese Abenteuerreise nimmt im Buch keinen so großen Stellenwert ein wie ich anfangs gedacht hatte. Das hat mich allerdings nicht enttäuscht, denn auch so begegnet man Menschen, die in ihrem Leben Geheimnisse haben und Oskar für eine kurze Zeit helfen seinem Dad näher zu sein.

Auch die Nebencharaktere wie Oskars Mutter, ein Freund der Familie oder der Mann aus dem oberen Stockwerk sind so facettenreich in ihren schrägen Angewohnheiten (!) und menschlichen Bedürfnissen, dass man gar nicht anders kann als sie in sein Herz zu schließen.

Zudem bieten zwei weitere Personen einen Einblick in ihr Leben, zu dem auch Oskar irgendeinen Bezug hat. Foer schreibt dies so wunderschön, dass alleine der Schreibstil an irgendeinem Punkt zu Tränen rührt, schafft Parallelen wo es keine geben sollte und fängt die Einzigartigkeit jedes Menschen ein. Er gibt den drei Hauptcharakteren eine ganz eigene Sprache: Oskar findet alles „krass“ und „hammerhart“, eine Frau schreibt nur in abgehackten Sätzen und der Mann in Sätzen, wo ein einzelner schon mal eine Seite umfassen kann.

Zudem ist das Buch wunderschön aufgemacht, was man einfach erwähnen muss. Die Bilder zwischen den Kapiteln lassen das Erlebte von Oskar für den Leser anschaulich werden, seine Ängste werden deutlicher und auch, was ihn beeindruckt. Die Eigenarten eines Charakters sind grandios damit eingefangen und es wartet sogar ein kleines Rätsel darauf gelöst zu werden (Ich bin noch beim Lösen).

Beim Ende sind aufgrund mehrerer Parallelen, der Auflösung aller Rätsel und einer Erkenntnis von Oskar einfach die Tränen geflossen. * S * Es hat mich einfach so enttäuscht, dass er seinem Vater nicht wirklich näher gekommen ist und das er dann die Geschichte wie seine Oma aufgerollt hat, um die Tragödie ungeschehen zu machen. Und ich dachte die ganze Zeit nur: Das ist nicht fair. Ich hätte mir wirklich, wirklich gewünscht, dass er das Rätsel hätte lösen können, denn sein Großvater als „Austausch“ für seinen Vater ist nicht wirklich ein Happy End. Wobei es im wirklichen Leben ja auch kein Happy End gab. Auf jeden Fall bin ich wegen dem Ende fertig. * S*


FAZIT

Ein wunderbar emotionales Buch, das eine moderne Tragödie behandelt und es dabei irgendwie schafft witzig und voller Lebensmut zu sein. Auf jeden Fall ein Buch, was man unbedingt gelesen haben muss, alleine um Foers Schreibstil und natürlich seine Ideen mitzuerleben. Allerdings sollte man mit außergewöhnlichen Figuren rechnen, die es einem nicht immer leicht machen. Denn auch wie Oskar, muss man den Sinn hinter allem vielleicht erst suchen…


Anmerkung: In anderen Rezensionen werden auch Parallelen zu dem Roman „Die Blechtrommel“ von Günther Grass festgestellt – da ich dieses Buch noch nicht gelesen habe, kann ich dazu aber kein Urteil abgeben. Sollte ich es irgendwann mal lesen, werde ich mögliche Ähnlichkeiten natürlich besprechen.


5/5 Punkte


Montag, 26. März 2012

Rezension...Der Zauber der Ersten Seite von Laurence Cossè

Die Autorin:

Laurence Cossé wurde 1950 in Boulogne-Billancourt geboren. Sie arbeitet als Kolumnistin und Hörfunkautorin sowie als Schriftstellerin. Kurzgeschichten und Theaterstücke von ihr wurden hoch gelobt. Auch ihre Romane wie etwa "Der 31. Tag des Monats August" fanden Anklang. Die meisten ihrer Romane betreffen die zeitgenössische französiche Gesellschaft, oft auf eine kritische oder ironische Weise.

Inhalt:

Wer kann Menschen, die gute Romane wollen, als Bedrohung empfinden?, fragt sich Kommissar Heffner, als Ivan und Francesca, die Gründer der Pariser Buchhandlung »Zum guten Roman«, ihm von Drohungen und Sabotage erzählen. Wollen wir denn nicht alle gute Bücher? Drei absolut harmlose Personen wurden angegriffen, weil sie zu einem geheimen Komitee gehören, das für die Buchhandlung die Bücher auswählt. Auf der Suche nach der Wahrheit taucht Heffner ein in die geheimnisvolle Welt der Bücher und derer, die sie lieben. Menschen, die dem Zauber der ersten Seite immer wieder erliegen und daran glauben, dass Bücher das Leben verändern, Schicksale steuern und die Liebe wecken können …

 Daten im Überblick:
                                                      
 Gebundene Ausgabe:
Autor: Laurence Cossè
Originaltitel: Au bon roman
ISBN: 3809025909
Seiten: 464
Verlag: Limes
Auflage: August 2010
Preis: 19,95 €





Kurze Anmerkung:

Die in der Rezension eingebauten Spoiler sind aus Vorsicht eingebaut worden, schildern aber nicht die wesentliche Handlung. Somit könnte man sie auch lesen ohne das Buch gelesen zu haben.

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist wohl eines der schönsten über Bücher, der Liebe zur Literatur und wie man Literatur wertschätzen sollte.

Francesca und Ivan führen eine Buchhandlung, die nur ausgewählte Bücher anbietet und so all diejenigen Bücher wiederbeleben will, die viel zu oft viel zu wenig Beachtung finden. „Der Gute Roman“ findet viele Gegensacher und Liebhaber, die „Freunde“ unterstützen die spezielle Buchhandlung voll. Die angebotenen Bücher werden von einem Komitee ausgewählt. Doch plötzlich werden mehrere Mitglieder dieses streng geheimen Komitees angegriffen. Wurde „Der Gute Roman“ etwa verraten? Und warum will jemand Verfechter von außergewöhnlicher Literatur tot sehen? 

Dieses Buch ist gewiss kein Krimi, auch wenn es solche Elemente beinhaltet.

Die Geschichte wie die Idee zu einer solchen Buchhandlung geboren wird, warum man Literatur überhaupt auswählt und besonders wer Francesca und Ivan wirklich sind stehen im Vordergrund der Geschichte. Dabei nimmt uns eine „unsichtbare“ Person mit auf die Reise. Durch sie konnte ich regelrecht Stimmungswechsel im Buch spüren, sie mir aber noch nicht einmal erklären. Ivan und Francesca sind oft verzweifelt, baden im Glück oder sind mit Vorfreude erfüllt. Während der drei Jahre umfassenden Geschichte und den wenigen Tagen in denen ich das Buch gelesen habe, erschienen sie mir wie reale Personen. Ihre Probleme ließen mich zittern und ihre Erfolge habe ich im Stillen bejubelt.

Dabei habe ich mich besonders an Francesca gewöhnt die ich schon ins Herz geschlossen habe, egal wie verschlossen sie auch sein mag.
Ihre Stimmungen und Gefühle haben mich teils verwundert Spoiler! (Markieren zum Lesen)    , weil in ihr eine Änderung eingesetzt hat, die niemand im Buch erklären konnte und mich beunruhigt hat, Spoiler Ende! , weil ich einfach nicht wusste, wie es dazu kam.
Spoiler! (Markieren zum Lesen)
Mir hat ihre Art zu sein sehr gefallen und als sie sich dann zunächst unbemerkt von mir so verändert hat, war ich irgendwie richtig schockiert. Spoiler Ende!

Nicht zu kurz kommen natürlich auch die Anschläge auf die geheimen Mitglieder des Komitees. Sie werden geschildert, von allen Seiten beleuchtet um…eine Antwort zu finden? Weiter im Dunkeln zu tappen? Auf der Suche hilft Kommissar Heffner den Beiden und stellt ein paar Nachforschungen an.

Es bleibt bis zum Schluss spannend, wer für die Anschläge verantwortlich ist. Aber eigentlich geht es nicht nur um die Anschläge sondern darum wie eine solche Buchhandlung aufgebaut ist. Welche Gedanken muss man sich darum machen? Wie wählt man gute Bücher aus? Und ganz wichtig: Darf man überhaupt gute Literatur als solche bezeichnen? Gibt es Bücher, die von so schlechter Qualität sind, dass sie besser unbeleuchtet blieben? Welchen Anteil haben die Verlage daran? Und man stellt sich nicht nur die im Buch besprochenen Fragen, sondern fragt sich automatisch mit: Darf ich entscheiden ob ein Buch gut ist? Was bedeutet „gut“ eigentlich genau? Das war für mich natürlich doppelt interessant, da ich Rezensionen schreibe. Ich habe noch einmal darüber nachgedankt warum ich Bücher so bewerte wie ich es tue.

Spannend gemacht haben das Buch aber auch die Unterhaltungen zwischen allen Beteiligten, denn oft hatte man das Gefühl das Worte unausgesprochen blieben. Das gibt dem Buch noch mal einen besonderen „Charme“ und wenn dann auch noch unvorhergesehene Dinge geschehen, mit denen man nie im Leben gerechnet hätte, dann ist der Spannungsfaktor immens gestiegen. Trotzdem ist es kein Page-Turner sondern ein Buch welches man am liebsten gar nicht umblättern möchte, weil man gerade diese Stelle noch mal lesen will. Daher finde ich auch, dass Laurence Cossès Sparche perfekt zu dem Buch passt. Die Sprache ist flüssig zu lesen, so dass man schnell zur nächsten Seite umblättert.

Das Buch lebt zusätzlich von dem ganz besonderen Pariser Flair, welches für mich auch einen entscheidenden Grund hat, der auch im Buch angesprochen wird. Wo könnte man sonst eine so außergewöhnliche Buchhandlung eröffnen?

Mit dem Ende hat Laurence Cossé alle Fragen geklärt und mich ein bisschen traurig zurückgelassen, da das Buch nun vorbei war.

FAZIT

Das Thema dieses Buches, ob Literatur gut sein kann und auch die Beziehung zwischen Francesca und Ivan, haben mich sehr fasziniert. Ich würde dieses Buch gerne noch mal lesen, diesmal aber langsam um alle Einzelheiten mitzubekommen. Es hat einige Fragen aufgeworfen die ich mir auch noch eine lange Zeit stellen werde, weil sie mir wichtig erscheinen. Zudem war das Ende zutiefst anrührend. Ich musste nicht weine, nicht mal lachen, aber die Atmosphäre war wirklich besonders, weil plötzlich alles aufgelöst war.

5/5 Punkte

Zitate:

„`Ich fürchte, weder Sie noch ich werden sie in Zukunft zu Gesicht bekommen`, sagte Van. `Sie wird zur Fee Morgane und zu den Isolden unserer Träume zurückkehren, in jene Märchenwelt voller fantastischer Geschöpfe, von denen niemand weiß, ob sie wirklich existiert haben. Schon jetzt bin ich mir keineswegs sicher, dass so eine hinreißende und absolut nicht prüde Person unserem Komitee angehört hat, und Sie müssen sie einfach vergessen.`“

„…Unser Unterfangen ist genau das. Wir geben uns alle Mühe, das literarische Erbe zu schützen und zu fördern, das von Vergessen und Gleichgültigkeit bedroht ist, von der Geschmacksverirrung ganz zu schweigen. Das ist unbestreitbar eine gute Sache.“

Dienstag, 14. Februar 2012

Rezension...Beim Leben meiner Schwester von Jodi Picoult

Die Autorin:

Die Schriftstellerin Jodi Lynn Picoult wurde am 19. Mai, 1966 in Nesconset auf Long Island, New York geboren. Sie studierte Creative Writing an der Princeton University, und machte dort 1987 ihren Abschluss. Als Masterstudiengang hat sie Pädagogik an der Harvard University studiert.
Jodi Picoult ist verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann und drei Kindern in New Hampshire.
"Beim Leben meiner Schwester" wurde 2009 mit Cameron Diaz und Abigail Breslin als Anna verfilmt. In dem Buch verarbeitet sie eigene Erfahrungen mit Krebs.

Inhalt:

Die Entscheidung ist ihr schwergefallen, unendlich schwer. Die allerwenigsten Menschen müssen sie jemals treffen. Doch als Anna Fitzgerald dreizehn Jahre alt ist, kann sie es nicht mehr ertragen. Längst weiß sie nicht mehr, wie viele Operationen sie über sich hat ergehen lassen müssen. Anna, so scheint es ihr selbst, ist nur zu einem Zweck geboren worden - ihrer leukämiekranken Schwester Kate das Leben zu retten. Immer wieder. Nie hat sie diese Rolle angezweifelt, bis heute: Wie jeder Teenager aber beginnt Anna sich nun zu fragen, wer sie eigentlich ist. Ob sie ohne Kate eine eigene Persönlichkeit wäre? Ob Sara und Brian, ihre Eltern, jemals einen eigenständigen Menschen in ihr gesehen haben? Anna weiß es nicht. Und sie beschließt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen - ein Anwalt soll dafür sorgen, daß sie ihren Körper nie mehr für Kate zur Verfügung stellen muß.


Daten im Überblick:

Autor: Jodi Picoult
Originaltitel: My Sister`s Keeper
Seiten: 480
Erschienen: 2004, 2007 Dtld.
ISBN: 9783492247962
Verlag: Piper Taschenbuch
Auflage: 19 (September 2007)
Preis: 9,95€



Eigene Meinung:

Anna ist dreizehn Jahre alt und wurde aus nur einem einzigen Grund zur Welt gebracht: Um ihrer Schwester Kate, die an Leukämie erkrankt ist, ihr Nabelschnurblut zu spenden. Doch über die Jahre wird Kate wieder rückfällig, macht Fortschritte, gerät wieder in Remission. Jetzt soll Anna ihrer Schwester eine Niere spenden – doch sie sucht sich einen Anwalt. Um endlich über ihren Körper bestimmen zu können.

Jesse ist der ältere Bruder von Kate und Anna. Da er keine besondere Rolle durch und in der Krankheit spielt, hat er seine Rolle als Unruhestifter akzeptiert. Er liebt seine Familie, obwohl ihn seine Eltern aufgegeben haben und ignorieren.

Brian ist Feuerwehrmann und liebt seine Arbeit. So kommt es das seine Einsätze ihn in bestimmter Weise helfen für eine Weile seinem zu Hause zu entfliehen. Seine Arbeit ist sein Ventil, um die Krankheit seiner Tochter und alle Probleme zu verarbeiten.
Durch Mutter Sara erlebt der Leser hautnah die Krankengeschichte und die Rolle als Elternteil mit. Welche Verantwortung zu tragen ist, welche Herausforderungen, Wünsche und Ängste die Diagnose Leukämie mit sich bringt. Um das ausreichend zu besprechen, erzählt Sara in der Vergangenheit und in der Gegenwart.

Außerdem erzählt das Buch aus der Sicht von Annas Anwalt und einer Verfahrenspflegerin.

Die Anklage Annas wird so auf juristischem Weg aufgezeigt und auf moralischem. Auch ich als Leser geriet durch die Sichtweisen in einen Interessenkonflikt. Auf der einen Seite die Eltern: Kate darf nicht sterben. Auf der anderen Anna: Ich will über meinen Körper bestimmen, auch wenn ich meine Schwester liebe.

„Beim Leben meiner Schwester“ macht betroffen, macht nachdenklich, man wünscht sich das alles gut ausgeht, aber wie soll das aussehen? Picoult legt den Persönlichkeiten oft wahre Worte in den Mund, lässt sie denken was hart ist, aber richtig und schafft damit eine Atmosphäre der Hilflosigkeit.

Das Buch unterscheidet sich von dem Film (den ich noch nicht gesehen habe) vor allem im Ende. Das Filmende ist nicht besser, aber versöhnlicher. Anders als im Film, gibt es eine unerwartete Wendung, die mich geschockt hat. Sie schafft alle offenen Fragen aus dem Weg und lässt nur ein Ende zu. Dieses hat mich zum Weinen gebracht und gerade als ich damit aufgehört hatte las ich den Epilog und war wieder zu Tränen gerührt.

FAZIT

Ein gleichermaßen einfühlsames wie hartes Buch, das die Geschichte von Anna und Kate schreibt. Es macht nachdenklich und deutlich das einiges was richtig ist sich falsch anfühlt und das was falsch ist sich richtig anfühlt. Und das es in diesem Konflikt niemanden geben kann, der gewinnt, weil man um zu geben verlieren muss.
5/5 Punkte