Posts mit dem Label Rezension werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rezension werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. August 2014

Rezension...Das Perlenmedaillon von Sabine Weigand

Die Autorin:
Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans ›Das Perlenmedaillon‹, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman ›Die Königsdame‹ zugrunde. In ›Die Seelen im Feuer‹ bilden die Hexenakten von Bamberg die historische Romanvorlage, bei ihrem ersten Roman ›Die Markgräfin‹ war es die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, bei ›Die silberne Burg‹ die Bestallungsurkunde einer jüdischen Ärztin, in ›Die Tore des Himmels‹ das Leben der Hl. Elisabeth und in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der Konstanze von Sizilien.

Inhalt:
Gegen ihren Willen muss Helena den Nürnberger Patrizier Heller heiraten. Doch eine verbotene Liebe verbindet sie mit dem Goldschmied Niklas. Nur die Briefe, die Niklas ihr über den jungen Maler Albrecht Dürer aus Venedig schickt, geben ihr noch Hoffnung – und das Perlenmedaillon, das sie zu Anna, der Hure, führt.
Mit Annas Hilfe wagt Helena das Unerhörte: sie begehrt gegen ihren Mann auf.
Die wahre Geschichte der Helena Heller zwischen Venedig und Nürnberg – der neue historische Roman von Sabine Weigand.


Daten im Überblick:

Taschenbuch:
Autor: Sabine Weigand
Originaltitel: /
Erschienen: 2007
Verlag: Fischer
Seiten: 592
Preis: 8,95 €










Eigene Meinung:


Dies ist der erste historische Roman aus dem Bereich Mittelalter den ich gelesen habe. Bisher habe ich mich nie an dieses für mich düstere Zeitalter herangetraut, da ich aber doch zu neugierig war um das gesamte Genre ignorieren zu können, habe ich spontan zu diesem Roman gegriffen und damit (meiner Meinung nach) einen Volltreffer gelandet!
Dieses Buch hat es geschafft, dass ich nun darauf brenne zahlreiche andere Mittelalter-Romane zu lesen!

Die Handlung ist sehr komplex und nur schlecht zusammenzufassen. Ich beschränke mich daher hier auf die 4 Hauptcharaktere:

Anna, die der Leser als junges Mädchen kennen lernt, wird Opfer eines schrecklichen Angriffs und flieht daraufhin aus ihrem alten Leben. Doch auch in ihrem neuen Leben wird ihr nicht mehr Glück zuteil.
Helena, die Tochter eines Patriziers, verliebt sich in den Ziehsohn ihres Vaters. Doch Niklas hat kein Geld und ihr Vater gerät außer sich als er von ihrer Liebe zu dem Goldschmied erfährt. Außer sich vor Wut verheiratet er sie mit dem Nürnberger Patrizier Heller, der seine junge Frau alles andere als gut behandelt. Wird sie dieser lieblosen Ehe entfliehen können?
Niklas hingegen muss Nürnberg nach dem Rausschmiss aus dem Elternhaus verlassen und macht sich durch einen Zufall auf nach Venedig. Eine spannende Reise mit Albrecht Dürer beginnt…
Eine wichtige Rolle spielt aber auch Helenas Bruder, der nach einen Erlebnis in seiner Kindheit ins Kloster gegangen ist um seine Sünden zu bereinigen. Hat er den richtigen Weg eingeschlagen?

Bei so viel Handlung könnte man leicht den Überblick verlieren, vor allem da sich der Roman über ein Jahrzehnt erstreckt und die einzelnen Schicksale miteinander verknüpft sind. Sabine Weigand versteht es jedoch, dass man als Leser bei allen Geschichten gleichermaßen mitfiebert (weshalb ich auch keinen Protagonisten in meiner Inhaltsangabe vernachlässigen konnte).

Ihr Schreibstil ist, wie auch in anderen Historischen Roman üblich, etwas ausschweifend. Dies entwickelt sich jedoch zugunsten des Romans, da ich mir so Venedig Anfang des 16. Jahrhunderts sehr gut vorstellen konnte. Auch das mittelalterliche Nürnberg ist in meiner Vorstellung wieder zum Leben erwacht. Zudem habe ich sehr viel über das Mittelalter erfahren. – Da ich dieses Genre gerade für mich entdecke habe ich diese Informationen praktisch aufgesogen. So fand ich es z.B. überaus interessant, dass verheiratete Frauen in Venedig nur schwarz getragen haben und alles Bunte den jüngeren, unverheirateten Frauen vorbehalten war.

Selbstverständlich fand ich es nicht immer leicht mit den gewalttätigen Methoden in diesem Jahrhundert umzugehen und muss gestehen auch mal eine besonders blutige Szene übersprungen zu haben. Ansonsten empfiehlt es sich aber nicht querzulesen (etwas das man natürlich sowieso nicht tun sollte), da jeder Satz wertvolle Informationen über das Mittelalter, die Charaktere, die Handlung oder die Städte beinhaltet.

Auch Albrecht Dürers, der in Nürnberg und Venedig gelebt hat, spielt hier eine kleine Rolle die ich wichtig, informativ und gut geschrieben empfunden habe.
Die Entwicklung der Charaktere hat mich wie schon oben angedeutet sehr bewegt, vor allem da die Wendungen wirklich unvorhersehbar sind. Ich konnte mir nie sicher sein ob mich Romantik, Tod, eine Trennung oder die Erfüllung eines Lebenswunsches erwartete.

FAZIT

Ein ergreifender historischer Roman der zwischen Nürnberg und der wundervollen Kulisse Venedigs hin und her pendelt. Die Unvorhersehbarkeit der Handlung ist wohl die größte Stärke des Romans!

5/5 Punkten

Mittwoch, 6. August 2014

Rezension...Zwei bemerkenswerte Frauen von Tracy Chevalier

Die Autorin:
Tracy Chevalier, geboren 1962, wurde vor allem durch ihren historischen Beststeller Das Mädchen mit dem Perlenohrring bekannt, der von dem Maler Vermeer und seinem wohl berühmtesten Bild handelt. Es entstand sogar ein gleichnamiger Film, in dem Scarlett Johansson die Hauptrolle spielt.
Chevalier wuchs in Washington D. C. auf und zog 1984 nach London, wo sie als Lektorin arbeitete. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in London. 

Inhalt:
Elizabeth Philpot ist eine junge Frau aus besseren Kreisen, deren Familienerbe nicht zu einem standesgemäßen Leben in London reicht. Daher zieht sie 1830 in den kleinen südenglischen Küstenort Lyme Regis. Was ihr zunächst wie eine Verbannung vorkommt, erweist sich als glückliche Fügung, denn am Strand nehmen seltsame Steine sie völlig gefangen: Fossilien. Sie begegnet Mary, einem Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das die Familie mit dem Verkauf von Fossilien über Wasser hält und dabei spektakuläre Versteinerungen findet. Die beiden ungleichen Frauen freunden sich an. Doch dann verlieben sich beide in denselben Mann.

Daten im Überblick:

Taschenbuch:
Autor: Tracy Chevalier
Originaltitel: Remarkable Creatures
Erschienen: 2009
Verlag: btb
Seiten: 368
Preis: 9,99 €










Eigene Meinung:

Dieser Roman basiert auf den Leben von Elizabeth Philpot und Mary Anning, deren Biografien man daher nicht lesen sollte wenn man Spoiler umgehen möchte. Die Autorin hat es nämlich geschafft Fiktion und die gegebenen Fakten miteinander zu verbinden und einen interessanten und lehrreichen Historischen Roman zu verfassen.
Doch zunächst zum Inhalt:
Mary Annings Faszination für Fossilien hat ihr der Vater vermittelt, vor allem weil die Familie das Geld braucht und sich kleinere Fossilien gut verkaufen lassen. Miss Philpot hingegen, die mit ihren zwei Schwestern gerade nach Lyme Regis gezogen ist, versucht sich mit den Strandbesuchen die Zeit zu vertreiben. Mit Ende zwanzig ist sie in den 1830er-Jahren bereits eine alte Jungfer und hat keine guten Aussichten mehr auf eine Ehe. Als sie Mary trifft entwickelt sich aus dieser Einsamkeit sogleich eine Verbindung zwischen ihr und dem kleinen Mädchen. – Und genauso wie ihre Freundschaft, werden auch ihre Fossilien großes Aufsehen erregen.
„Den Blitzschlag habe ich in meinem Leben immer wieder gespürt, in Wirklichkeit getroffen hat er mich aber nur einmal. […] Jedes Mal wenn ich ein Fossil finde, fühle ich das Echo des Blitzschlags in mir, dieses leise Sirren, das mir sagt: `Ja, Mary Anning, du bist anders als alle Steine am Strand. `Darum bin ich Fossilienjägerin geworden: Ich will den Blitzschlag spüren und dieses Anderssein. Jeden Tag will ich es spüren.“ (Seite 7/8)


Tracy Chevalier treibt die Handlung ständig voran und lässt so keine Langeweile aufkommen. Erst recht, da die Charaktere in der Zeitspanne des Buches große Veränderungen durchleben. Um auf diese ausreichend eingehen zu können wird abwechselnd aus Marys und Elizabeths Perspektive erzählt. Wie im Nachwort erwähnt hat die Autorin einige Daten verändert um die Ereignisse besser schildern zu können. Im Roman selber fällt dieser Umstand nicht weiter auf und ist der Geschichte sicherlich zuträglich.
Ein wichtiger Punkt des Romans ist natürlich die Liebe und Beigeisterung der Protagonistinnen für Fossilien. – Und die konnte Tracy Chevalier teilweise auf mich übertragen. Sie verwendet eine gute Mischung aus Fachwissen, inklusive den dazugehörenden Fachbegriffen, und vermischt dies mit einfachen Erklärungen, da auch Mary und Elizabeth einiges dazulernen.

„`Fossilien sind mehr als nur tote Steine`, versuchte ich zu erklären. `Es sind Körper, die zu Stein geworden sind, Körper von Kreaturen, die vor langer Zeit gelebt haben. Wenn man so eine Versteinerung findet, ist es das erste Mal seit Tausenden von Jahren, dass sie jemand sieht. `“ – Elizabteh Philpot (Seite 43)
 
 
Besonders interessant, neben den Charakteren, fand ich aber die aus der Gesellschaft und Wissenschaft der damaligen Zeit resultierenden Probleme. Eine Frau als Wissenschaftlerin? Undenkbar! Naturwissenschaften sind schließlich etwas für Männer. In diesem Zusammenhand bietet das Buch sogar einen „romantischen“ Aspekt. Das „romantisch“ ist hier ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn welcher Mann des 19. Jahrhunderts will schon eine Ehefrau die sich die Samthandschuhe beim Graben und Wühlen am Strand dreckig macht, noch dazu eine alte Jungfer oder arm?
Und wieso gibt es überhaupt Fossilien? Wieso sollte Gott Lebewesen erschaffen und sie dann aussterben lassen? Solche Differenzen (und Streitigkeiten) zwischen Kirche und Wissenschaft nehmen einen großen Teil des Romans ein. Es werden verschiedenen Theorien vorgestellt (z.B. von Cuvier), aber auch Marys und Elizabeth eigene Gedanken präsentiert die Autorin. Letztendlich wird das Buch aber von der Freundschaft dieser Frauen getragen. Ihre Liebe zur Wissenschaft und die Dienste die sie der Paläontologie erwiesen haben wären ohne ihre Freundschaft sicherlich nicht so möglich gewesen!

Bewertung: 5/5 Punkten

Sonntag, 25. Mai 2014

Rezension...Weil wir glücklich waren von Laura Moriarty

Die Autorin:
Laura Moriarty hat Sozialarbeit und kreatives Schreiben an der University of Kansas studiert. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt sie den George-Bennett-Preis der Universität New Hampshire. Ihr Debütroman "Das Versprechen meiner Mutter" ist von Kritikern und Lesern gleichermaßen begeistert aufgenommen worden. Laura Moriarty lebt gemeinsam mit ihrer Tochter in Lawrence, Kansas.
 
Inhalt:
 
Veronica hat gerade erst angefangen, ihr eigenes Leben zu leben, da erfährt sie: Ihre Eltern haben sich getrennt. Plötzlich steht sie vor den Trümmern ihrer einst so glücklichen Familie. Dabei braucht sie ihre Eltern gerade jetzt. An der Uni läuft es nicht so gut, und dann ist Veronica auch noch verliebt - zum ersten Mal so richtig. Doch auch mit der Liebe ist es alles andere als einfach. Veronica nimmt es ihren Eltern übel, dass diese sie mit ihren Problemen nun ganz allein lassen. Und dann passiert etwas, womit sie niemals gerechnet hätte: Ihre Mutter steht mit gepackten Koffern vor der Tür und bittet Veronica, eine Weile bei ihr wohnen zu dürfen. Ein Belastungstest, aber auch eine Chance für Mutter und Tochter, sich noch einmal ganz neu kennenzulernen ...
 
Daten im Überblick:
 
Autor: Laura Moriarty
Originaltitel: While I´m Falling
Erschienen: 2011
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 400
Preis: 8,99€ (nur noch gebraucht erhältlich, Ebook für 4,99€)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eigene Meinung:
 
Durch dieses Buch habe ich eine Autorin entdeckt von der ich in Zukunft alles bisher Erschienene lesen möchte! Ihr Schreibstil hat mich komplett begeistert und sofort in die Geschichte gezogen. Ab der ersten Seite habe ich mich in der Geschichte wohlgefühlt und das, obwohl der Inhalt eher ernst und bedrückend ist.
 
Die Autorin beginnt mit dem Moment als Veronicas Vater von einer Dienstreise nach Hause kommt und einen Fremden in seinem Ehebett vorfindet. – Die Beziehung der Eltern zerbricht.
Diese Situation klingt an sich nicht außergewöhnlich, Laura Moriarty macht daraus aber einen nachdenklichen Familienroman. Dabei konzentriert sie sich auf die Beziehung von Veronica, einer Studentin, und ihrer Mutter. Diese hat sich nach ihrem Studium und wenigen Arbeitsjahren als Lehrerin um Veronica und ihre ältere Schwester, die jetzt Anwältin ist, gekümmert. Dadurch steht sie nach der Scheidung fast mittellos da.
 
Veronica als Protagonistin hat auch eigene Probleme mit ihrem Studium, für das sie ununterbrochen lernen muss, Geldsorgen und durch eine ausufernde Party auch noch Probleme mit ihrem Freund und einem Bekannten. Sie gibt ihrer Mutter die Schuld an der Scheidung und dem Auseinanderbrechen der Familie, sodass die Beziehung zwischen den beiden sehr abkühlt.
 
Ich konnte ihre Ängste absolut nachfühlen und mich allgemein sehr gut in ihre Situation versetzen, obwohl ich in meinem näheren Umfeld bisher nur wenig mit dem Thema konfrontiert wurde. Besonders toll empfand ich daher auch, dass Laura Moriarty die Geschichte vereinzelt aus der Sicht von Veronicas Mutter erzählt. Auch die in anderen Büchern oft vernachlässigten Nebencharaktere haben eine eigene Geschichte bekommen, Krisen die sie herumtreiben. Dadurch wird auch Spannung erzeugt: Die Probleme, gerade von Veronica, sind vielfältig und Probleme, die so jedem von uns passieren können.
 
Diese Alltäglichkeit macht das Buch aus: Zu erleben wie die Familie versucht wieder zu sich zu finden. Es ist hässlich, weil es nie mehr so sein wird wie vor der Scheidung, aber gleichzeitig wichtig, da sich Mutter und Tochter nur so wiederfinden können.
 
FAZIT
 
Ein gefühltes 4 Punkte Buch, dass ich aufgrund der lebensnahen Charaktere und der tollen Atmosphäre sehr genossen habe. Die Mutter-Tochter-Beziehung die durch die Scheidung der Eltern schwer erschüttert wird, wird glaubwürdig und spannend erzählt und hat mir trotz des ernsten Themas viel Freude gemacht, da der Schreibstil locker und mitreißend ist!
 
4/5 Punkten

Sonntag, 18. Mai 2014

Rezension...Lost Girl. Im Schatten der Anderen von Sangu Mandanna

Die Autorin:

Die indische Jugendbuchautorin Sangu Mandanna wurde in Bangalore geboren und verfasste ihre erste Geschichte im Alter von vier Jahren, nachdem sie von einem Elefanten gejagt wurde. Nachdem sie mit 19 nach England ausgewandert war, schloss sie drei Jahre später mit 22 ihr Studium im britischen Lancaster ab. Während ihrer Studienzeit lernte Sangu Mandanna ihren heutigen Ehemann kennen und lebt noch heute zusammen mit ihm und dem gemeinsamen Sohn in Lancaster. Als Inspiration für ihren Debütroman "The Lost Girl", der im August 2012 in Deutschland mit dem Titel "Lost Girl. Im Schatten der Anderen" erscheint, diente ihr der Roman "Frankenstein".

Inhalt:

Die Eltern der Anderen haben ihre Erschaffung in Auftrag gegeben. Die Andere ist das Original, sie ist die Kopie. Alles, was sie tut, hängt von der Anderen ab. Und wenn sie sich nicht an die Regeln hält, ist ihr Leben in Gefahr. Weitere Produktinformationen: Amarras Eltern lieben ihre Tochter so sehr, dass sie eine Doppelgängerin erschaffen lassen. Sie wächst abgeschottet von der Außenwelt auf und hat nur eine Bestimmung: die echte Amarra im Todesfall zu ersetzen. Darum muss sie wissen, was Amarra weiß; essen, was Amarra isst; lesen, was Amarra liest. Und obwohl sie nur lieben darf, wen Amarra liebt, verliebt sie sich Sean, einen ihrer Betreuer - ein lebensgefährlicher Verstoß gegen die Spielregeln eines grausamen Experiments.

Daten im Überblick:

Gebundene Ausgabe:
Autor: Sangu Mandanna
Originaltitel: The Lost Girl
Erschienen: 2012
Verlag: Ravensburger Buchverlag
Seiten: 448
Preis: 16,99€












Eigene Meinung:

Amarras Eltern lieben ihre Tochter so sehr, dass sie ein Echo ihrer Tochter erschaffen lassen haben. Dieses Mädchen ist äußerlich eine perfekte Kopie von Amarra, sie soll sprechen wie Amarra, alles lesen und essen wie Amarra und sich wie sie anziehen. Sie soll dieselben Personen lieben, Menschen die sie nie in ihrem Leben getroffen hat, damit sie nach dem Tod von Amarra an ihre Stelle treten kann. Sie ist ein Wesen ohne Rechte, erschaffen von Meistern, unnatürlich. Macht sie einen Fehler kann sie jederzeit abgeschaltet werden.

„Lost Girl“ ist eine Dystopie die sich mit einem dem Klonen ähnlichen Verfahren beschäftigt und dadurch ein sehr spannendes Gedankenexperiment darstellt. Durch Amarra bekommt man viele Informationen über die Aufgabe der Echos und den Regeln denen sie unterliegen. So dürfen sie sich keinen eigenen Namen geben, die Stadt in der sie leben nicht verlassen und nicht flüchten. Ansonsten können die Meister Amarra sofort den Prozess machen und sie töten. Amarra ist sich dieser Situation immer bewusst. Trotzdem versucht sie so viele Freiheiten wie möglich bei ihren Vormunden zu erkämpfen. Denn egal was alle Umstehenden glauben: Das Mädchen, dass sich schon immer einen Namen gewünscht hat, hat Gefühle und die Seele der „echten“ Amarra wird nach ihrem Tod nie in ihrem Körper leben.

Diese Kämpfernatur ist etwas was ich sehr an Protagonisten schätze. Dabei ist Amarra aber auch nicht naiv, sondern versucht ihre Aufgabe zu erfüllen, da dies ihre einzige Chance auf Leben ist. Die ständige Angst vor Fehlern, vor dem Ausgelöscht werden, davor das andere Menschen sie als Echo erkennen, ist immer fühlbar.
 
Ich habe sehr mit ihr mitgelitten, allerdings zauberte die zarte Liebe zwischen der Protagonistin und Sean mir auch ein Lächeln ins Gesicht. Die Beziehung der beiden, sofern man überhaupt davon sprechen kann, entwickelt sich sehr langsam, da es ihr nicht gestattet ist jemanden zu lieben, den Amarra im fernen Bangalore nicht kennt und liebt. Klar passt diese total ins Schema Jugendbuch, aber gestört hat mich das nicht wirklich.

Die „echte“ Amarra ist alles andere als begeistert von ihrem Echo und beschimpft sie sogar als „Dieb“. Die Autorin gibt auch Einblicke in die Gedanken von Amarras Eltern und Geschwistern, ihren Freunden, den Meistern und Vormunden. Dadurch ergibt sich ein Gesamtbild das mir gut gefallen hat und auch dabei geholfen hat die Situation von Amarra zu verstehen.

Allerdings hätte ich gerne noch mehr Hintergrundinformationen gehabt, zum Beispiel dazu wie Echos entstehen oder wie andere Echos versuchen ihr Leben zu gestalten. Dadurch wird auch die Chance verschenkt noch genauer in die Thematik einzusteigen und dem Leser mehr als nur moralische Bedenken beim Lesen zu entlocken. Da das Buch aber ein Jugendbuch ist, habe ich auch nicht erwartet, dass die Autorin noch näher darauf eingeht.

Das Ende konnte mich grundsätzlich überzeugen, da es eher offen gehalten ist und ich dadurch noch über das Buch nachdenken musste. Allerdings waren auch hier wieder ein paar Fragen ungeklärt die ich als Leser nicht beantworten kann und bei denen ich gerne einen Schlussstrich gehabt hätte.

FAZIT

Die Idee mit den Echos konnte die Autorin bis auf kleinere Logikfehler spannend umsetzen. Ich habe diese Dystopie wirklich gerne gelesen, auch wenn man auf Grundlage des Buches keine Diskussion über ethische Probleme führen kann. Der Roman richtet sich aber auch an Jugendliche und ist daher auch auf diese Zielgruppe zugeschnitten, inklusive kleiner, aber schöner Liebesgeschichte. Gegner von offenen Enden sollten vielleicht vorsichtiger an das Buch gehen. Für die Zielgruppe vergebe ich:

4/5 Punkten

Samstag, 5. April 2014

Rezension...Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra von Robin Sloan

Der Autor:

Robin Sloan wurde 1979 in der Nähe von Detroit geboren und hat an der Michigan State University Wirtschaftswissenschaften studiert. Er hat für Twitter und verschiedene andere Onlineplattformen gearbeitet und schreibt gerade an einem neuen Roman. Er lebt in San Francisco.

Inhalt:

Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht.


Daten im Überblick:

Gebundene Ausgabe:
Autor: Robin Sloan
Verlag: Blessing
Erschienen: 2014
Seiten: 352
Preis: 19,90€











Eigene Meinung:

Clay sucht Arbeit und findet diese überraschend in Mr. Penumbras Buchhandlung, die rund um die Uhr geöffnet ist. Während seiner Nachtschichten kommen jedoch kaum Kunden in den Laden, die die Romane im vorderen Bereich des Ladens kaufen. Meistens leihen sie nur die sogenannten „Ladenhütern“ aus. - Was in ihnen steht ist ein Geheimnis, denn Clay ist es verboten die Bücher aufzuschlagen. Schon bald will Clay mithilfe seiner Freunde das Geheimnis um Mr. Penumbras Buchladen erforschen. Was wird er finden?

Die Handlung des Romans erscheint aufgrund des Klappentextes aufregend, es gilt ein Geheimnis zu lösen, Clay wird vermutlich auf einen Mythos stoßen und vor allem erweckte der Klappentext bei mir den Eindruck, dass ich ein spannendes Buch lesen würde.

Leider konnte Robin Sloan diese Erwartungen nicht erfüllen, da es nur unwesentlich um das Thema Bücher geht. Vielmehr wird die moderne Technik in den Vordergrund gestellt. Dies wäre kein Problem, würde Sloan die Firma Google nicht so sehr zum Thema machen, dass man das Gefühl bekommt, Google sei drauf und dran die Welt zu erobern. Dies lässt sich sicherlich als Satire auffassen, mit der ich aber meine Probleme hatte. Zu naiv wirkt Clay als er die Macht Googles darstellt, als das dies wirklich eine Kritik sein kann. Kritik vielleicht daran, dass man den Verbraucher oft im Unklaren lässt was mit seinen Daten geschieht. Aber so wirklich habe ich den Gedanken des Autors nicht verstanden: Ist Google nun sinnvoll und innovativ oder beraubt es seine Nutzer? Oder beides? So richtig hat diese Message für mich nicht in das Buch gehört, weil sie einfach nicht zur Handlung passen wollte.

Der Anfang des Buches war aber gut gemacht: Eine altertümliche Buchhandlung mit einem durch und durch rätselhaften, aber gutmütigen Mr. Penumbra, der sofort Sympathieträger ist. Seine Figur hat mich wirklich überzeugen können. Da auch die Nebencharaktere meist blass bleiben und im Fall von Kat, die Clay unbedingt erobern will, im weiteren Verlauf sogar unsympathisch werden, ist mit der Entwicklung der Charaktere keine Spannung zu erzeugen.

Erst in den letzten Kapiteln zeigt der Autor, dass er eine Geschichte wirklich spannend konstruieren kann und es dabei sogar schafft den Leser miträtseln zu lassen. Endlich steht das im Mittelpunkt, was das Buch für mich lesenswert gemacht hätte. Es geht nicht um technische Fachbegriffe, nicht um abstruse Theorien (die das Geheimnis leider beinhaltet hat) oder die nervige Geschichte einer nervigen Google-Mitarbeiterin. Stattdessen geht es um Clay, der selbst die Initiative ergreift um das Rätsel zu lösen, ein aufregendes Museum und die Figur des Mr. Penumbra.

Vielleicht habe ich auch einfach das Buch nicht verstanden. Jan Wiele von der FAZ schreibt nämlich: "Eine gewiefte Parodie auf Fantasy-Abenteuer, eine amüsante Reportage aus der Welt der kalifornischen Tekkies, eine spitze Satire der Allmachtsphantasien von Google." So kann man die Geschichte natürlich auch sehen.

FAZIT

Das letzte Drittel wäre 4 oder 5-Punkte würdig gewesen, jedoch konnte ich zuvor nichts mit dem Buch anfangen. Diese Mischung aus Technik und Büchern fand ich gewöhnungsbedürftig, die Charaktere waren für mich nicht interessant und sogar das aufregende Geheimnis war dann doch gar nicht so aufregend, sondern eher langweilig. Wie viel Potenzial hier verschenkt wurde finde ich traurig, aber so kann ich dem Buch nur 3 Punkte, mit leichter Tendenz zu 2 Punkten, geben.

3/5 Punkten

Montag, 24. März 2014

Rezension...Zeitrausch (01) - Spiel der Vergangenheit von Kim Kestner

Die Autorin:

Kim Kestner, geboren 1975 in Gifhorn, studierte Visuelle Kommunikation und gründete später eine Marketingagentur. Für ihre ungewöhnlichen Projekte wurde sie mit einem bundesweit ausgeschriebenen Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Nach der Geburt ihrer Zwillinge gab sie die Agentur auf, um sich von da an ganz ihrer Familie und fantastischen Geschichten zu verschreiben. Ihr erste Roman "Im Bann der Drudel" erschien Ende 2013 im Aeternica-Verlag. Ihr zweites Buch, ein Zeitreiseroman, wird am 06.03.2014 durch den Carlsen-Verlag veröffentlicht werden.

 
 
Inhalt:                   


Es sollte ein gewöhnlicher Sommerferientag werden. Ausschlafen, frühstücken, vom kleinen Bruder genervt werden, die Sonne genießen. Doch dann muss die siebzehnjährige Alison feststellen, dass ihr Bruder verschwunden ist. Schlimmer noch, es hat ihn nie gegeben - zumindest nicht in dieser Realität. Und damit beginnt das Spiel: Im Rausch durch die Zeiten, vor Millionen von Zuschauern und einer unerbittlichen Jury bekommt Alison die Aufgabe, die Vergangenheit so korrigieren, dass sie wieder in ihre ursprüngliche Gegenwart zurückkehren kann. Eine Aufgabe, die Alison durch sämtliche Jahrhunderte führt, vor unmögliche Herausforderungen stellt und viel schwieriger ist, als sie es sich jemals vorgestellt hat. Gerade mit dem geheimnisvollen Kay an ihrer Seite, der sie viel besser kennt, als es eigentlich möglich sein sollte … Dies ist der erste Band der Zeitrausch-Trilogie.

Daten im Überblick:

Ebook:
Autor: Kim Kestner
Originaltitel: /
Erschienen: 2014
Verlag: Carlsen
Seiten: 287
Preis: 3,99€










Reihe:

1. Spiel der Vergangenheit
2. ? (erscheint am 05. Juni)
3. ?

Eigene Meinung:

Alison führte bisher ein ganz normales Leben – ein nerviger Bruder, Eltern, ein Häuschen im Wald. Doch als die 17-Jährige an diesem Morgen aufwacht ist ihr kleiner Bruder verschwunden und niemand kann sich an ihn erinnern. Um ihn zu retten muss sie an einer Show teilnehmen. Erst allmählich beginnt sie zu begreifen worauf sie sich eingelassen hat. – Ihre Realität, ihr Leben, ihre Eltern, ihre beste Freundin sind plötzlich mehr als 400 Jahre entfernt. Denn Alison befindet sich im Jahr 2417. Um in ihre Wirklichkeit zurückzugelangen muss sie an gefährlichen Challenges teilnehmen die sie durch die Jahrhunderte katapultieren und ihr Leben kosten können. Ihr Begleiter ist Kay, der ihr helfen soll sich durch Raum und Zeit zu bewegen. Aber Alison ahnt das er nicht nur ihr Scout ist: Welches Geheimnis verbirgt Kay?

Die Mischung aus Dystopie und Zeitreise hat mir von Anfang an sehr gut gefallen, selbst als einige Elemente etwas an die „Panem“ – Trilogie erinnerten. Durch die ungewöhnliche Kombination mit Zeitreisen schafft Kim Kestner es aber eine Nische zu füllen, denn zumindest ich habe so ein Jugendbuch noch nie zuvor gelesen.

Gespannt machte ich mich also an das Buch und wurde mitten in die Geschichte geworfen. Dadurch wird man als Leser (wie auch Alison) leicht überrumpelt, da das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Durch den flüssigen Schreibstil habe ich aber sehr schnell in die Geschichte gefunden.

Das Konzept der Show in der Alison antritt ist ethisch äußerst fragwürdig, doch für stimmige Quoten greifen die Macher der Sendung zu allen Mitteln. Alison, die das Konzept der Sendung noch gar nicht versteht muss eine Entscheidung treffen: Will sie ihren Bruder zurück oder nicht? Alison kann eine Realität ohne ihren Bruder nicht akzeptieren und willigt daher ein bei der Show mitzumachen. Etwas mehr Informationen über „Top the Realities“ hätte ich schön gefunden, auch wenn die Geschichte auch ohne diese nachvollziehbar ist.

Die Challenges in denen Alison nun mit ihrem Scout Kay in die Vergangenheit geschickt wird sind stets temporeich beschrieben und lassen das Buch daher zu einem kompletten Page-Turner werden.
Der anfangs mysteriöse Kay ist ebenfalls Sympathieträger, selbst wenn er oft sehr bestimmt reagiert und daher ruppig erscheint. Und zumindest in meiner Vorstellung ist Kay zum heißen Zeitreisenden avanciert!

Einzig mit der Zeitreisetheorie hatte ich leichte Probleme, allerdings konnte ich mir ab der Hälfte des Buches schon mehr darunter vorstellen. Schließlich steckt Alison in derselben Situation wie der Leser und muss erst alles über Zeitreisen und die zahllosen parallel existierenden Realitäten lernen.

Das Ende hat mich sehr überrascht und gezeigt wie gut Kim Kestner die Geschichte konstruiert hat, da hier einige offene Fragen beantwortet wurden. Zum Glück ist es daher nicht unbedingt ein offenes Ende – den im Juni erscheinenden 2. Band kann ich aber trotzdem kaum erwarten, da der Abschluss meine Fantasie sehr angeregt hat!

FAZIT

Trotz des etwas schnellen Starts konnte mich die Geschichte völlig begeistern. Spannung, Romantik, Geheimnisse und die Mischung aus Dystopie und Zeitreise haben mir wahnsinnig gut gefallen. Um für den 2. Band noch Luft nach oben zu lassen vergebe ich „nur“ 4 Punkte und freue mich nach dem aufregenden Ende sehr auf die Fortsetzung!
 
4/5 Punkten
 
Ich danke Kim Kestner sehr für die tolle Leserunde und dem Carlsen-Verlag für die Bereitstellung dieses Leseexemplars!
 
 

Dienstag, 11. März 2014

Rezension...Die dritte Sünde von Eva-Ruth Landys

Die Autorin:

Eva-Ruth Landys wuchs im Süden Deutschlands auf. Nach dem Studium der Sozialpädagogik arbeitete sie einige Jahre in diesem Berufsfeld, widmete sich aber genauso intensiv ihrer großen Leidenschaft: der Musik. Als Komponistin, Sängerin und Produzentin hat sie sich einen Namen gemacht. Durch das inzwischen hauptberufliche Schreiben von Musicals und Radiosendungen kam der Wunsch auf, sich auch der Schriftstellerei zuzuwenden. Ihr Debut-Roman "Pflicht und Verlangen" beweist die besondere Vorliebe der Autorin für klassische englische Gesellschaftsliteratur und ihr großes Interesse an Geschichte und Wissenschaft.

Inhalt:
England 1838: Die Krönung der jungen Victoria steht bevor. Auch Isobel de Burgh, verwöhnte Tochter des Herrn von Whitefell, soll daran teilnehmen. Vor allem, um sich im Rahmen der überbordenden Feierlichkeiten in London einen geeigneten, möglichst adeligen Gatten zu angeln. Doch dann kommt alles ganz anders: Mr Havisham, der reiche Geschäftsfreund ihres plötzlich verarmten Vaters, bekundet deutliches Interesse an ihr. Isobel ist verärgert und enttäuscht. Weiß Lady Craven, die weltgewandte und leichtlebige Freundin ihrer verstorbenen Mutter, vielleicht Rat? Und was hat Havisham mit dem überraschenden Tod David de Burghs, des rechtmäßigen Erben Whitefells, zu tun?
Währenddessen zeigt sich auf Whitefell Cathy – Isobels langjährige ungleiche Spielgefährtin wider Willen – erleichtert, endlich von ihrer ungeliebten Herrin befreit zu sein. Doch die kleine Freude währt nicht lang. Isobel kehrt zurück als Verlobte Havishams und erzwingt Cathys Dienste erneut. Sie wird Isobels Zofe, nicht zuletzt, um deren intime Eskapaden zu decken. Es gibt da nämlich den ausgesprochen verführerischen jungen Stallmeister Aaron Stutter, der nicht nur Isobels erotische Fantasien beflügelt. Doch Aaron hat ein schreckliches Geheimnis – und er liebt die scheue Cathy.
 
Die Reihe:
1. Die dritte Sünde
2. Stadt der Schuld (2013)
3. Wege nach Eden (erscheint 2014)
 

Daten im Überblick:

Gebundene Ausgabe:
Autor: Eva-Ruth Landys
Originaltitel: /
Erschienen: 2012
Reihe: Ja
Verlag: Bookspot Verlag (Edition Carat)
Seiten:576
Preis: 17,95€









Eigene Meinung:

Eva-Ruth Landys historischer Erotikroman "Die dritte Sünde" hat bei mir zunächst Skepsis, dann jedoch schnell Begeisterung ausgelöst!

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen einige Charaktere, doch vor allem Cathy hat mein Herz erobert. Die Zofe der jungen Isobel de Burgh, Tochter eines Großgrundbesitzers, ist wohl der egozentrischste aller Charaktere. Wie sie ihren Vater, die Dienerschaft und nicht zuletzt die dadurch vollkommen verschreckte und von Natur aus schüchterne Cathy tyrannisiert, nimmt sie nur mit kalter Grausamkeit war. Isobel ist aber auch sonst längst nicht die feine Dame für die ihr Vater und die gute Gesellschaft sie halten. Heimlich hat sie es auf den neuen Stallburschen Aaron abgesehen, der allerdings keinerlei Interesse an ihr zeigt…

Mit Isobels kindlichem Zorn, Egoismus, Geltungsbedürfnis und ihren Intrigen hatte ich das ganze Buch über meine Sorgen, da ich schlecht mit mutwillig bösartigen Menschen umgehen kann. Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass Isobel der erste Buchcharakter ist, den ich abgrundtief hasse, auch wenn sich die Autorin bemüht hat die Beweggründe der Figur darzustellen. Einzig die Momente in denen man als Leser über Isobel triumphieren konnten, haben mir leichte Genugtuung verschaffen können.

Natürlich fehlt auch die Erotik nicht im Erotikroman – sie steht in einem sehr guten Verhältnis zum Rest der Handlung. Die Szenen sind immer prickelnd, aber nicht zu bildlich geschrieben und machen etwa zehn Prozent der Handlung aus.

Auch unter dem Gesichtspunkt des Historischen ist das Buch ein Erfolg, da der Beginn des viktorianischen Zeitalters unglaublich gut charakterisiert und erklärt wird. Der Autorin ist es gelungen die Lebensumstände sowohl der Dienerschaft als auch des Adels/der Großgrundbesitzer umfassend darzulegen und auch tatsächliche historische Fakten mit einzuweben, die mich sehr überrascht haben. Wichtige Ereignisse, gesellschaftliche Umstände oder bedeutende Jahreszahlen werden am unteren Seitenrand oft auch noch zum besseren Verständnis erläutert, sodass ich einiges Wissen aus dem Buch mitnehmen konnte. Besonders konzentriert sich Eva-Ruth Landys auf die Rolle der Frau und schafft dabei durch die reiche Isobel und ihre Zofe Cathy zwei Figuren die unterschiedlicher nicht sein könnten. Gerade unter diesem Aspekt war das Buch ein Erlebnis – empfehlenswert für jeden, den das Thema auch nur ansatzweise interessiert.

Aber auch der Spannungswert der Geschichte schießt ganz schnell nach oben, da es die Autorin versteht mit den polarisierenden Charakteren und einer aufregenden, emotionalen Handlung den Leser zu fesseln.

Ich kann es kaum erwarten den zweiten Teil der Trilogie zu lesen und die Autorin dann hoffentlich erneut für ihre Ideen zu bewundern!

FAZIT

Ein fesselnder historischer Roman mit einem Hauch Erotik, packender und emotionaler Handlung, Hintergrundwissen über das viktorianische Zeitalter (vor allem über die Stellung der Frau in der Gesellschaft) und die außergewöhnlich polarisierenden Charaktere! Meine uneingeschränkte Leseempfehlung!

5/5 Punkte

Freitag, 13. Dezember 2013

Rezension...Die Liebe deines Lebens von Cecelia Ahern

Die Autorin:
Cecelia Ahern ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Welt. Sie wurde 1981 in Irland geboren und studierte Journalistik und Medienkommunikation in Dublin. Mit 21 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman, der sie sofort international berühmt machte: ›P.S. Ich liebe Dich‹, verfilmt mit Hilary Swank. Danach folgten Jahr für Jahr weitere weltweit veröffentlichte Bücher in Millionenauflage. Die Autorin wurde für ihr Werk mehrfach ausgezeichnet, schreibt auch Theaterstücke und Drehbücher und konzipierte die TV-Serie ›Samantha Who?‹. Cecelia Ahern lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Norden von Dublin.
(fischerverlage.de)

Inhalt:
Adam will einfach nur, dass alles aufhört. Er ist über das Geländer der Brücke geklettert und schaut hinunter in das kalte, schwarze Wasser. Christine will einfach nur helfen. Mit einem Deal kann sie Adam vom Springen abhalten: Bis zu seinem nächsten Geburtstag wird sie ihn überzeugen, dass das Leben lebenswert ist! Schnell wird klar, dass sie ihn nur retten kann, wenn sie ihn wieder mit seiner großen Liebe zusammenbringt. Doch dann merkt Christine, wie sie sich selbst Hals über Kopf in Adam verliebt …


Daten im Überblick:

Gebundene Ausgabe:
Autor: Cecelia Ahern
Originaltitel: How To Fall In Love
Erschienen: 2013
Verlag: Fischer Verlage (Krüger)
Seiten: 384
Preis: 16,99€









Eigene Meinung:

Mit diesem Roman kehrt Cecelia Ahern gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück – „Die Liebe deines Lebens“ kommt ganz ohne fantastische Elemente aus. Umso gespannter war ich auf diesen Roman und wurde nicht enttäuscht.

Christine ist eine Frau mit so vielen Schrullen und Problemen, dass ich gar nicht anders konnte als sie zu lieben: Ihr Noch-Ehemann Barry spricht ihr jeden Tag um 8 Uhr wütende Nachrichten auf die Mailbox, während sie in einer nahezu unmöblierten Wohnung haust und zusehen muss wie Barry ihre Freunde vergrault. Einzige Stütze sind ihre zahllosen Selbsthilfebücher, die sie zu wirklich jedem Thema besitzt. Die Titel dieser kleinen Lebensretter dienen immer als Kapitelüberschrift und sorgen so schon für ein kleines Lächeln.

Adams Freundin hat ihn gerade verlassen, ein ungeliebter Job erwartet ihn und aus seiner Traumstelle wurde er gefeuert. Was sich zunächst klischeehaft anhört, mag auch so bleiben, trotzdem empfindet man Mitleid mit Adam und zumindest ich konnte nicht eine Sekunde lang neidisch auf seine angeblichen Privilegien sein. Solange solche Klischees gut verkauft werden und mich unterhalten, habe ich absolut nichts gegen sie.

Auch die Nebencharaktere konnten mich sofort überzeugen. Die kleinen Geschichten die sie zu erzählen haben wären Potenzial für weitere Bücher und haben zu einem Großteil dafür gesorgt, dass ich dieses Buch ins Herz geschlossen habe. Christines Freunde, ihre Geschwister, auch ihr Vater sind so liebenswert und originell, dass ich jedes Mal lächeln musste, wenn sie auf den Seiten erschienen.

Auch der Humor, der sich in den Dialogen widerspiegelt, teilweise etwas schwarz und unterschwellig ist, entspricht genau meiner Vorstellung von Unterhaltung. Die Abwechslung zwischen solch großartigen, lebendigen Szenen und etwas melancholischeren Stellen hat mir sehr gut gefallen. Es ist einfach eine Geschichte die mir sehr ans Herz gegangen ist.

Die Liebesgeschichte steht nicht an erster Stelle, doch zu der Botschaft das Leben zu lieben gehört natürlich auch „die Liebe“. Und so gibt es viele kleine Geschichten rund um Beziehungen, die nicht alle glücklich verlaufen und die nur einen kurzen Moment erschaffen wurden, aber durch ihre Andersartigkeit im Kopf bleiben.

FAZIT

Endlich wieder ein Ahern-Roman in den ich mich so verlieben konnte wie in ihre frühen Werke! Die Geschichte sprüht nur so vor Charme, Witz und (trotz einer zunächst eher melancholischen Stimmung) vor Lebenslust. Ganz ohne Längen fliegt man nur so durch die Seiten – und lässt sich von Adams und Christines ganz eigenen Macken und Schicksalen mitreißen!

5/5 Punkten

Freitag, 6. Dezember 2013

Rezension...Mich gibt`s übrigens auch für immer von Jana Seidel

Die Autorin:

Jana Seidel wurde 1977 in Hannover geboren. Nach ihrem Studium in Kiel volontierte sie bei einer Tageszeitung. Anschließend schrieb Jana Seidel zwei Jahre als freie Journalistin für diverse Medien. Mittlerweile lebt sie in Hamburg und arbeitet in einer Zeitschriftenredaktion.

Inhalt:

Tanja ist eine ewig Zweifelnde. Nach zehn abgebrochenen Studiengängen und ungezählten Nebentraumjobs, hat sie ihren Platz immer noch nicht gefunden. Nur in einem Bereich läuft es bestens. Sie lebt mit dem perfekten Mann zusammen – ihr indischer Freund Hrithik ist erfolgreich, klug und einfach umwerfend. Warum also verspürt sie einen deutlichen Fluchtdrang, als er ihr einen formvollendeten Heiratsantrag macht? Tanja muss endlich die Antworten finden, die sie sucht, und zwar schnell. Denn Hrithiks intrigante, langbeinige Exfreundin wartet nur darauf, ihren Platz einzunehmen ...

Daten im Überblick:

Taschenbuch:
Autor: Jana Seidel
Originaltitel: /
Erschienen: Dezember 2012
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 256
Preis: 8,99€










Eigene Meinung:

Tanja hat sich noch nie zweifelsfrei entscheiden können. Auch als ihr die wohl bisher wichtigste Frage in ihrem Leben von ihrem indischen Freund Hrithik gestellt wird, läuft sie lieber davon als unterm heiligen Weihnachtsbaum ein „Ja“ zu hauchen. Nach einer eher halbherzigen Versöhnung bleibt da auch noch das Problem mit der traditionell indischen Familie ihres Freundes und ihrem in Indien lebenden Hippie-Vater. Die Reise in dieses ferne Land wird für sie zu einem Selbstfindungstrip und führt zu einem Wiedersehen mit ihrem Vater. Wird am Ende vielleicht doch alles gut?

Ich wurde von dem Buch positiv überrascht, da ich wirklich nicht so viel erwartet habe. Bekommen habe ich einen überzeugenden, leichten Frauenroman bei dem die witzigen Passagen überwiegen. Vor allem die Charaktere haben dazu beigetragen: Wer, außer Tanja, kann schließlich von sich behaupten einen in Indien lebenden Vater zu haben, der als Guru in einem blau-pinken Haus lebt, sowie tolle Freunde mit Philosophie-Tick, Vater-Komplexen oder Schriftsteller-Karriere? Sicherlich werden dabei einige Figuren zu einseitig dargestellt, doch stört das bei einer solchen Lektüre nicht wirklich. Ich habe Tanja, Hrithik und die anderen jedenfalls richtig in mein Herz geschlossen.

Die Geschichte überzeugt aber auch durch unvorhergesehene Wendungen, wenn man zwei, drei kleinere Schwächen übersieht, und hat bei mir daher für schnelle Unterhaltung gesorgt. Auch diese Schwachpunkte können beim Lesen getrost übersehen werden und tun der Geschichte keinen Abbruch.

Der Roman lebt aber nicht nur von den komischen Szenen, sondern auch von den eher nachdenklichen Stellen, die die Vater-Tochter Beziehung betreffen. Und auch kleinere Herzschmerzmomente dürfen natürlich nicht fehlen.

Mischt man das alles zusammen ergibt sich ein gemütlicher Roman in dem ich mich sofort zuhause und gut unterhalten gefühlt habe. Allerdings ist es kein Weihnachtsroman, da Tanja Weihnachten eher als Unglücks-Fest ansieht und so nun wirklich keine Weihnachtsstimmung aufkommen kann!

FAZIT

Ein witziger Frauenroman mit neuen Ideen und skurrilen Charakteren, obwohl kleinere Schwächen vorhanden sind. Diese sind allerdings für den Verlauf der Geschichte unwichtig und sorgen daher auch für keine große Abwertung des Buches. Eine sehr empfehlenswerte, spritzige und schnelle Lektüre!

4/5 Punkten

Samstag, 30. November 2013

Rezension...Der Duft des Regens von Frances Greenslade

Die Autorin:

Frances Greenslade, geboren 1961 in Ontario, Kanada, wuchs mit fünf Geschwistern auf der Niagara-Halbinsel auf. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Penticton, British Columbia, wo sie am Okanagan College Englisch lehrt. Der Duft des Regens ist ihr erster Roman.
(Quelle: Suhrkamp.de)

Inhalt:

In den weiten Wäldern Kanadas wachsen die Schwestern Maggie und Jenny glücklich und behütet auf. Sie lieben die Ausflüge zu den Seen, sammeln Pilze und Beeren, abends spielen sie mit den Eltern Karten. Doch die Welt der beiden Mädchen gerät vollkommen aus den Fugen, als der Vater bei einem Unfall ums Leben kommt. Und wenig später gibt die Mutter die Schwestern auch noch bei einer fremden Familie in der Stadt in Obhut – vorübergehend, sagt sie. Tage werden zu Wochen, Wochen zu Monaten, Monate zu Jahren. Die Mutter kehrt nicht zurück.
Auf sich gestellt, lernen Maggie und Jenny schnell, dass sie sich gegenseitig halten müssen, um den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren. Sie entwickeln einen ungeahnten Überlebenswillen – stets begleitet von der Sehnsucht nach ihrer Mutter. Einige Jahre später macht sich Maggie schließlich auf, sie zu suchen. Sie kehrt zurück in die mächtigen Wälder, an die Orte ihrer Kindheit …

(Quelle: Suhrkamp.de)

(lovelybooks.de)
Daten im Überblick:

Taschenbuch:
Autor: Frances Greenslade
Originaltitel: Shelter
Erschienen: 2013
Verlag: Insel Verlag
Seiten: 366
Preis: 9,99€











Eigene Meinung:


Es ist 1969, die kleine Maggie und ihre Schwester Jenny verleben eine glückliche Kindheit in Duchess Creek. Wanderungen in der Natur mit ihrem Vater, das Tuscheln ihrer Mutter über vom Unglück Verfolgte. In dem einfachen Haus ohne Elektrizität, das vom Zauber der früher dort so zahlreichen Indianer umgeben ist, scheint nichts der Familie etwas anhaben zu können. Als ihr Vater stirbt zieht es Irene und ihre Töchter erst in die Natur und dann zu Fremden. Das nächste Unglück ist unabwendbar…

Schon auf den ersten Seiten merkt man, mit was für einer Sprachgewalt Fances Greenslade die Geschichte dieser zwei kleinen Mädchen erzählt, die schon bald zu selbständigen Frauen heranwachsen. Während die Unbeschwertheit von Maggie zuerst noch aus jeder Silbe zu spüren ist, wird das Buch immer düsterer und verstrickter und Maggie älter und ernster. Die Entwicklungen in diesen Jahren verändern das Leben der Familie grundlegend. Die Natur bildet den Ruhepol für Maggie und obwohl ich noch nie in Kanada gewesen bin, konnte ich mir die Umgebung genau vorstellen.
 
Das Wissen um die Entwicklung der Geschichte liegt von Anfang an offen, trotzdem bleibt die Spannung bestehen. Sie liegt zum einen in den Gefühlen die man mit den Charakteren teilt und zum anderen in bangem Erwarten. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Ironie des Schicksals auf diesen Seiten gnadenlos serviert wird: Bemitleidete Irene zu Anfang noch andere Familien die schwere Schicksalsschläge hinnehmen mussten, so unterscheidet ihr Leben sich bald nicht mehr von diesen. So kommt es auch, dass trotz dieses leichten und bildhaften Schreibstils Angst vor dem Weiterlesen entsteht. Kaum geht es bergauf, stürzt Maggie bereits in die nächste, noch schlimmere Katastrophe. Und die ganze Zeit lauert das so gefürchtete zweite und dritte Unglück auf sie.

Die Familie, und damit meine ich nicht Maggie, Jenny, Irene und Patrick, sondern wirklich ganz allgemein „die Familie“, steht im Mittelpunkt dieses Romans. Genauer: die Mutter-Tochter-Beziehung. Ich habe lange darüber gerätselt inwiefern das Buch, an dem die Autorin seit 1992 gewerkelt hat, eine solche Wirkung beabsichtigt hat. Alle Mutter-Tochter-Beziehungen sind schwach ausgebildet: Sie überlassen ihre Töchter, wobei dies auch für Söhne gilt, früher als üblich dem selbständigen Leben und ziehen sich zurück. Sie sind verunsichert, haben Geheimnisse und können so nicht nach der Definition der Gesellschaft Mütter sein. Sie sind deswegen keine schlechten Mütter, sie lieben ihre Kinder, doch der Egoismus hat sie oft an „Ausweichpositionen“ gedrängt.

FAZIT

Bei Maggie vergisst man oft das sie noch ein Kind ist: Sie hat es gelernt sich gemeinsam mit ihrer Schwester durchzuschlagen und den kommenden Unglücken zu trotzen. Das bedeutet aber nicht, dass ihr all die furchtbaren Geschehnisse nichts anhaben. Im Gegenteil war ich emotional sehr beteiligt, auch wenn das Buch teilweise zu konzipiert erscheint.
Ein Roman in den man sehr viel mehr interpretieren kann, als ich es hier versucht habe zu tun, da die Geschichte komplex ist, aber doch jedem Menschen in irgendeiner Art und Weise geläufig ist.

4/5 Punkten    

Donnerstag, 7. November 2013

Rezension...Linna singt von Bettina Belitz

Die Autorin:

Bettina Belitz wäre an einem sonnigen Spätsommertag des Jahres 1973 beinahe in einer Heidelberger Bäckerei zur Welt gekommen, ein Umstand, der ihre Leidenschaft für Pflaumenkuchen erklärt. Ihre zweite Leidenschaft ist der Tatsache geschuldet, dass sie zwischen unzähligen Büchern aufwuchs und sich deswegen schon früh in die Magie der Buchstaben verliebte. Lesen alleine genügte ihr bald nicht mehr – nein, es mussten eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium arbeitete Bettina Belitz als Journalistin, bis sie ihre (nicht kulinarische) Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt sie umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald und lässt sich von der Natur und dem Wetter zu ihren Romanen inspirieren.
(scrip5.de)


Inhalt:

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben. Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat.
Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.


Daten im Überblick:

Gebundene Ausgabe:
Autor: Bettina Belitz
Originaltitel: /
Erschienen:2012
Verlag: Script5
Seiten: 512
Preis: 18,95€










Eigene Meinung:

Seit fünf Jahren haben Linna und ihre ehemaligen Bandkollegen nicht mehr miteinander gesprochen. Der Streit in dem sie auseinander gingen, wird für ihre angesetzten Proben zur Belastung und die Geheimnisse die sie mit sich herumtragen, zum verwirrenden Psychospiel. Aber auch Linna selbst hat Dinge zu verbergen: vor den vier Bandkollegen und sich selber.

Düstere Stimmung, Herzklopfen vor lauter Spannung und Romantik sowie eine ordentliche Portion Verwirrung sind die Zutaten für diesen außergewöhnlichen Roman. Bettina Belitz bietet dem Leser hier eine aufregende Mischung aus Psychothrillerelementen, einer kleinen Liebesgeschichte, Freundschaft und Tiefgang. Dabei nimmt sie sich keineswegs zu viel vor, sondern setzt diese Geschichte so packend um, dass ich beim draußen wütenden Sturm zusammengezuckt bin und mit Linna mitgelitten habe.

Durch ihren Schreibstil wurde das Buch schon nach kurzer Zeit zu einem Pageturner, obwohl man über die Vergangenheit der Band wenig erfährt. Selbst über die Protagonistin Linna ist wenig in Erfahrung zu bringen, doch auch so herrscht in dem Buch genug Action.

Wunderschöner Einband ♥
Das Psychospiel beginnt auf einer Almhütte, die bereits nach wenigen Stunden durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten ist. Aus den angesetzten Proben wird schon bald nichts: Linna fühlt sich gefangen, alle scheinen gegen sie zu sein, glauben sie hat Geheimnisse vor ihnen. Dabei sind Tobi, Maggie, Julian und Falk diejenigen die sie nicht an ihrem Leben teilhaben lassen. In Bedrängnis geraten versuchen sie Dinge aus ihr herauszudrängen, die sie lieber für sich behalten würde. Als dann auch noch nachts Botschaften an die Wände gepinselt werden, hat jeder Linna im Verdacht. An diesem Punkt wusste selbst ich nicht mehr genau: War es Linna oder nicht? Ist sie vielleicht krank? Oder hat es jemand auf sie abgesehen?

Ich habe wirklich mit Linna mitgelitten und wollte dieses Psychospiel gerne verstehen können. Allerdings blieb es für mich bis zum Schluss ein Geheimnis.
Wäre die unkitschige Liebesgeschichte nicht gewesen, ich weiß nicht ob ich dieses Psychospielchen ausgehalten hätte. So konnten auch endlich einige Dinge aus Linnas Vergangenheit geklärt werden.

Und auch die anderen Charaktere bieten während des Lesens reichlich Stoff für Diskussionen. Ihre Abgründe machen sie unberechenbar und sind im Endeffekt Spiegelbild für jeden Leser. Denn zugegeben, jeder hat irgendein Geheimnis (und sei es noch so klein), das er nicht preisgeben möchte…
Linna ist eher verschlossen, „undurchschaubar, geheimnisvoll“ finden sie die meisten und für Maggie ist sie einfach nur eine männerjagende Bestie. Für mich war sie aus irgendeinem Grund sofort sympathisch, auch wenn es mir nicht leicht gefallen ist sie zu verstehen.

Das Ende hat mich leicht verstört und etwas enttäuscht zurücklassen. Der klassische Fall von: Der Autor hat ein tolles Ende geschaffen, für sich selbst und den Roman als Gesamtkunstwerk, aber nicht für die Charaktere und auch nicht für mich.

FAZIT

Ein absolut mitreißendes Werk, das zu Unrecht als Jugendroman eingeordnet wird (die Protagonisten sind längst aus der Schule und Mitte 20) und Romantik, Psychospiele und menschliche Abgründe zu einem spannenden Gesamtwerk vereint! Eines meiner Lesehighlights dieses Jahr!

5/5 Punkten

Donnerstag, 26. September 2013

Rezension...Im Land des Feuervogels von Susanna Kearsley

Die Autorin:

Susanna Kearsley, geboren 1966, lebt in Ontario. Sie hat Politik und Internationale Entwicklungen studiert und als Museumskuratorin gearbeitet. Gleich ihr erster Roman »Mariana« war ein großer Erfolg. Danach veröffentlichte sie die Bestseller »Glanz und Schatten«, »Die Geister von Rosehill«, »Haus der Stürme«, »Der Ruf der Nacht«, »Damals in Lissabon«, »Das schottische Vermächtnis«, »Licht über den Klippen« und zuletzt »Im Land des Feuervogels« .

Inhalt:

Galeristin Nicola Marter besitzt eine besondere Gabe: Sobald sie einen Gegenstand berührt, sieht sie dessen früheren Besitzer. Als eine Unbekannte ihr eine Holzskulptur anvertraut, erkennt sie, dass es sich um einen Feuervogel aus der Welt der russischen Märchen handelt, und einst Zarin Katharina gehörte. Ihre Nachforschungen fördern eine lang vergessene Geschichte zutage, von verzweifelter Liebe, von Mut und von bitterer Rache ....




Daten im Überblick:

Taschenbuch:

Autor: Susanna Kearsley
Originaltitel: The Firebird
Erschienen: 2013
Verlag: Piper
Seiten: 544
Preis: 10,99€






Eigene Meinung:

Nicola Marter ist Galeristin und besitzt eine Gabe die sie bisher nur wenigen Menschen offenbart hat. Sobald sie Gegenstände berührt sieht sie Personen und Geschichten die diesen Gegenstand begleitet haben. Als sie mit dem Feuervogel, einer Holzskulptur in Berührung kommt, sieht sie Zarin Katharina und ein unbekanntes junges Mädchen. Auf einer Reise durch Schottland und St. Petersburg versucht sie diese junge Frau ausfindig zu machen und ihr außergewöhnliches Leben wieder auferstehen zu lassen.

Obwohl ich auf den ersten Kapiteln noch nicht vollständig von dem Buch überzeugt war, hat es mich im Gesamtergebnis berührt und mich für Russland weiter begeistern können.

Ihre Gabe ermöglicht es Nicola in die Vergangenheit abzutauchen sobald sie einen alten Gegenstand berührt. Susanna Kearsley macht neben der Schönheit dieser Gabe aber auch deutlich, dass sich Nick mit dieser Fähigkeit nicht wohlfühlt und Angst hat als Freak abgestempelt zu werden. Sie unterdrückt diese Begabung und entschließt sich nur sie einzusetzen um einer Frau zu helfen, die durch den Feuervogel die Chance auf einen großen Traum hat.

Die Dialoge mit dem Exfreund von Nick, der dieselbe Begabung hat, empfand ich stets a ls spritzig und charmant. Dass sich eine kleine Liebesgeschichte anbahnt, ist also nicht zu viel verraten. Obwohl der Anteil der historischen Handlung überwiegt fieberte ich auch bei Nicolas Geschichte mit.

Nach wenigen Kapiteln steigt man als Leser in die Vergangenheit ein, begleitet Anna, das junge Mädchen, in ihren ersten Lebensjahren und auf der Reise von Schottland nach St. Petersburg. In den wenigen Jahren die man Gelegenheit hat sie kennenzulernen führt sie ein sehr bewegtes Leben, in dem politische Wirren und Missverständnisse zu Rastlosigkeit geführt haben. Gerade, weil auf die Hintergründe für ein unstetes, aber nicht unglückliches Leben eingegangen wurde hat mir das Buch sehr gut gefallen. Die Kapitel aus dem 18. Jahrhundert wechseln sich mit denen von Nicola Marter ab und sorgen für einen Lesefluss der nur kurzzeitig ins Stocken gerät.

Die Passagen in St. Petersburg haben mir besonders gut gefallen und mich in das 18. Jahrhundert mit seinen Bauwerken und Persönlichkeiten versetzt. Dieses Buch hat mein Interesse für Zarin Katharina und allgemein Literatur die in Russland spielt weiter geweckt und ist daher auch eines meiner Highlights 2013 (auch ohne 5 Punkte)!

FAZIT

Ein bewegender Roman, der abwechseln in der Gegenwart und in der Vergangenheit spielt und an traumhafte Orte in Schottland und Russland führt. Eine lebendige Geschichte die zudem noch beeindruckende Charaktere und einige Informationen zu den historischen Hintergründen bereit hält, runden das Buch für mich ab. Bis auf wenige langsame Stellen hätte ich das Buch gerne in einem Rutsch durchgelesen.
 
4/5 Punkten

Dienstag, 27. August 2013

Rezension...Rückkehr nach Somerton Court (01) von Leila Rasheed

Die Autorin:

Leila Rasheed hat ihre Wurzeln sowohl in Bangladesch als auch in England. Sie wuchs in Libyen auf, lebte einige Jahre in Brüssel und verbrachte viel Zeit in Italien. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann, einem dänischen Saxophonisten, in Birmingham.

Inhalt:

Im Jahre 1912 kehrt die Familie Averley - Lord Westlake und seine beiden Töchter - aus einem luxuriösen Leben in Indien auf ihr herrschaftliches Anwesen Somerton Court in England zurück. Während sich die Dienerschaft hastig auf die Ankunft der Herrschaft vorbereitet, trifft eine schockierende Nachricht ein: Lord Westlake wird auch seine neue Verlobte und ihre drei Kinder mitbringen. Doch nicht nur das sorgt für große Unruhe. Es gibt Gerüchte, Lord Westlake sei wegen eines schrecklichen Skandals aus den Diensten als Gouverneur in Bengalen entlassen worden und schon bald wird offenbar, dass es auch finanziell nicht gut um die Familie bestellt ist. All das sorgt für große Spannungen sowohl bei der Herrschaft als auch der Dienerschaft. Lady Ada, Lord Westlakes Tochter, sieht sich gezwungen, zwischen ihrem eigenen Glück und der Familienehre zu wählen, Sebastian muss sich gegen Erpressungen durch einen früheren Diener – und Liebhaber – zur Wehr setzen und das liebenswürdige Hausmädchen Rose gerät in einen Skandal, der die Macht haben könnte, das Ansehen der Averleys für immer zu ruinieren.

Die Reihe:

1. Rückkehr nach Somerton Court
2. Diamonds and Deceit (erscheint im Januar 2014 auf Englisch)
3. ?


Daten im Überblick:

Taschenbuch:
Autor: Leila Rasheed
Originaltitel: Cinders & Sapphires
Erschienen: August 2013
Verlag: Fischer
Seiten: 384
Preis: 9,99€










Eigene Meinung:

Ada und ihre Schwester Georgina sind gerade aus Indien in ihre alte Heimat England zurückgekehrt. Angekommen auf dem Anwesen Somerton Court, gibt es bereits einige Überraschungen. Fiona, die zukünftige Ehefrau ihres Vaters Lord Westlake, sorgt mit ihren Kindern für jede Menge Intrigen und Skandale. Und auch Ada hat auf dem Schiff ein Geheimnis zurückgelassen von dem niemand erfahren darf. Ihr Wunsch in Oxford zu studieren rückt währenddessen in weite Ferne, doch sie kann nicht aufhören zu träumen…

Die Geschichte umfasst weit mehr als diesen einen Handlungsstrang und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Um den Überblick zu behalten gibt es im Buch einen toll aufgemachten Stammbaum, der mir sehr geholfen hat. – Derjenige auf der Rückseite des Buches spoilert allerdings!

Neben Ada nimmt vor allem das Dienstmädchen Rose, dass seit ihren ersten Lebensjahren auf dem Gut lebt, eine wichtige Stellung ein. Durch ihre Herkunft am musizieren gehindert, gibt es für sie keine Chance auf ihren lang gehegten Traum eine Komponistin zu sein.

Dieser Perspektivwechsel ermöglicht sowohl Einblicke in den Dienstbotentrack als auch in die Sichtweise der Herrschaften. Die Kluft zwischen den sozialen Schichten wird sehr deutlich aufgezeigt. Manche Menschen sind weniger wert als andere und haben sich auch dementsprechend zu verhalten.

Natürlich ist dies kein großer historischer Roman der lange nachhallt, aber doch mit einer Liebesgeschichte und jeder Menge Geheimnissen und Intrigen gekonnt unterhält. Perfekt für einen Urlaub am Strand oder vor dem Kamin! Außerdem werden Themen wie der erste Weltkrieg angedeutet, das Frauenwahlrecht und allgemein die Rolle der Frau näher beleuchtet und auch Homosexualität wird angesprochen. Dadurch wird der Roman sehr abwechslungsreich und alles andere als seicht gestaltet und bietet auch genug Zündstoff für den 2. Band der Trilogie (vorerst als Trilogie ausgelegt). Die Spannung lässt nicht nach und auch für Emotionen ist gesorgt:

Ada und Rose sind Frauen die ihrer Zeit weit voraus sind und sich dadurch sehr eingeengt in ihren Möglichkeiten fühlen.

„ Manchmal ist mir, als würde jeder Gedanke, jedes Gefühl am Abend vorher von anderen Menschen für mich bereitgelegt, genau wie meine Kleider.“ – Ada (S. 155)

Die Behandlung sobald man als Frau gerne studieren möchte und wie abhängig das eigene Schicksal vom Wohlgefallen der Männer ist, haben mich teilweise sehr wütend gemacht. Unsere heutigen Vorstellungen kollidieren einfach so stark mit den damaligen Ansichten, dass es praktisch unmöglich ist nicht über einige Bemerkungen den Kopf zu schütteln. Zum Glück bietet Ada ihren Kritikern die Stirn und konnte mich so das ein oder andere Mal zum Lachen bringen.

FAZIT

Ein unterhaltsamer historischer Frauenroman mit jeder Menge Intrigen, Geheimnissen und Skandalen, bei denen man kaum den Überblick behalten kann. Der Roman war durchgängig leicht zu lesen und sehr unterhaltsam, spannend und emotionsgeladen. Ich hoffe darauf, dass im nächsten Band der Trilogie auf einige Probleme noch näher eingegangen wird.

4/5 Punkten

Mittwoch, 21. August 2013

Rezension...Skinned (01) von Robin Wasserman

Die Autorin:

Robin Wassermans Passion Geschichten zu erfinden, liegt in ihrer Kindheit begründet: Als Einzelkind blieb ihr nicht viel anderes übrig als sich selbst Geschichten zu erzählen, um den Alltag spannender zu gestalten. Und diese Liebe zu Geschichten erhielt sie sich über die Schulzeit. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Kinderbuchlektorin, bis sie das Schreiben zum Beruf machte.
Heute lebt sie in ihrer Lieblingsstadt New York und schreibt Bücher für junge Erwachsene.
(Quelle: script5.de)

Inhalt:

Lia Kahn ist tot. Ich bin Lia Kahn. Deshalb – denn das ist ja wohl ein logisches Problem, das sogar ein minderbemitteltes Kind lösen könnte – bin ich tot. Da ist nur eine Sache: Ich bin es nicht.

Lia Kahn ist reich, schön und beliebt – bis ein Unfall sie beinahe tötet. Im Krankenhaus wacht sie in einem perfekten, künstlichen Körper auf. Lia wird nie wieder Schmerz empfinden, sie wird nicht altern und nicht sterben. Doch der Preis dafür ist hoch: Ihre Freunde misstrauen ihr, ihr Freund betrügt sie und alles, was ihr wichtig war, wandelt sich in einen Albtraum.
Hin- und hergerissen zwischen dem Leben, das sie einmal kannte, und einer neuen, aufregenden Existenz, lernt Lia bald die bitterste Lektion: Niemand kann ihr die Entscheidung abnehmen, die sie treffen muss, um ihre Liebsten zu schützen.
(Quelle: script5.de)

Die Reihe:

1. Skinned
2. Crashed
3. Wired



Daten im Überblick:

Gebundene Ausgabe:
Autor: Robin Wasserman
Originaltitel: Skinned
Erschienen: 2008
Verlag: script5
Seiten: 376
Preis: 16,90€








Eigene Meinung:

Lia ist beliebt und gibt in ihrer Schule die Trends an – bis ein Autounfall ihr Leben zerstört. Trotz schwerster Verbrennungen und innerer Verletzungen stirbt sie nicht, doch kann man ihre Existenz noch Leben nennen? Sie ist ein „Skinner“, ein MechHead, eine mechanische Hülle voller Emotionen, die sich genauso fremd und unreal anfühlen wie ihre Freunde. Niemand will sie, nicht einmal ihre Familie. Doch egal wie sehr sie sterben will, sie kann nicht, denn ein Ding mit Festplatte kann nicht fühlen, nicht vergessen und nicht leben…

„Gott erschuf den Menschen. Wer erschuf dich?“ (S.95)

Dies ist die erste Dystopie die für mich nachvollziehbar im Sinne von realitätsnah ist:
In Lias Welt hat ein Atomkrieg vor 200 Jahren jegliches natürliches Leben unmöglich gemacht. Die Grashalme sind präpariert und einen Sternenhimmel hat Lia noch nie gesehen. Das Leben das wir heute führen, klingt für sie so abstrus wie das Ihre für mich. Während sie sich fragt warum es echte Geschäfte mit Leuchtreklamen gab, kann ich selbst fahrende Autos nicht begreifen.

In einem solchen Auto ist Lia verunglückt und muss nach dem herbeigesehnten, aber schmerzhaften Erwachsen feststellen was sie ist. Von da an hat sich ihr Leben komplett geändert: Skinner sind etwas Neuartiges, wogegen sich selbst diese modernen Menschen sträuben. Ihr Körper sieht so real wie möglich aus, doch die Haut wird nie Kratzer bekommen, die inneren Organe sind Drähten gewichen und beim Laufen wird sie nie wieder spüren wie es ist außer Atem zu sein.

Gefangen in einem Albtraum wurde auch ich als Leser sehr schnell in die Geschichte gezogen und konnte mit Lia sympathisieren. Sie wirkt sehr depressiv, was angesichts ihrer schwierigen Lage aber auch sehr verständlich ist. Ihre Panik spürte ich durch die Seiten. Doch während ihre Panik hauptsächlich Ihrer ungewollten Emotionslosigkeit geschuldet ist, überkam mich vor allem Beklemmung in der Frage, ob so eine Welt möglich ist.

Ein wenig erinnert mich die Problematik in dem Buch an das bereits heute ausgetestete Klonen und die immer weiter voranschreitende Technik. Das ist auch der Hauptgrund warum mich der 1. Teil der Trilogie so mitnehmen konnte: Es wirkt erschreckend real. Das Buch schildert keine Invasion von Zombies, gewaltige Explosionen, böse Macht ergreifende Herrscher oder gefährliche Spiele, sondern nur die bloße Gefahr durch Technik.

Das Buch war schnell ausgelesen, da die Autorin es schafft allein durch Lias Gefühlswelt  und die Beschreibung der zukünftigen Welt Spannung auszulösen. Trotzdem ist es kein ruhiges Buch, sondern enthält auch einige Szenen, die das Buch stellenweise zum Pageturner werden lassen.

FAZIT

Eine realitätsnahe und daher nachdenklich machende Dystopie, in der „fleischgewordene Technik“ Lias Leben zerstört. Spannend, emotional und bedrückend muss schnell der 2. Teil dieses Pageturners her!

5/5 Punkten  

Mittwoch, 7. August 2013

[Buchzauberkiste] Drei auf einen Streich...


Das verlorene Symbol von Dan Brown (Bastei Luebbe)
 
Taschenbuch für 9,99€  

 
Robert Langdon weiß noch nicht was es bedeutet, als er einen Anruf bekommt und kurz darauf eine abgetrennte Hand in der Rotunde des Kapitols findet. Seine Kenntnisse sind gefragt um die mit Tätowierungen versehene Hand zu deuten und Hinweise auf den Täter zu liefern.
Mein erstes Buch von Dan Brown konnte mich leider nur teilweise packen, da mir einige Beschreibungen und Erklärungen zu der Kultur der Freimaurer zu oft wiederholt wurden und dadurch Langeweile aufkam. Der Fall war hingegen toll konzipiert und hat mich auch begeistert, da ich Fan von Verschwörungen bin und es in diesem Buch ja hauptsächlich darum geht. Ganz besonders das Ende war mir dann aber zu lang gezogen, da der Täter bereits gefunden und der Fall gelöst war und ich somit die letzten Seiten als überflüssig empfunden habe.

 
FAZIT: 3/5 Punkten
Ein Thriller der lehrt vielleicht auch das Ungewöhnliche in Betracht zu ziehen und der mich weitestgehend gut unterhalten konnte. Teilweise gab es jedoch zu viele Wiederholungen und Erklärungen und das Ende war zu lange herausgezögert.


Endstation von Jay S. (neobooks)

E-Book für 1,99€

 
Tim lebt erst seit wenigen Wochen auf der Straße, als er zufällig auf Tamara trifft, die dieses harte Leben bereits seit zwei Jahren führt. Schnell will er unbedingt mehr über das ungewöhnliche Mädchen erfahren, doch Tamara hat andere Pläne und verschwindet.
Dieses Buch über das Leben von Jugendlichen auf der Straße und Drogenmissbrauch hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gemacht. Denn dies ist kein „Drogenmärchen“ in dem die Protagonisten aus Liebe zueinander ein glückliches Leben beginnen. Soweit es für mich zu beurteilen ist wurden die Beweggründe für das Verhalten und die Drogenspirale in die man schnell rutscht realitätsnah geschildert. Ich konnte mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören, da ich unbedingt wissen wollte wie die Geschichte für Tim und Tamara endet.

 
FAZIT: 4/5 Punkten
Der Roman vermittelt einen emotionalen Überblick über ein aktuelles Problem unserer Gesellschaft. Dank der zugleich berührenden und wirklichkeitsgetreuen Geschichte der Protagonisten eine absolute Leseempfehlung!


Bellagio von Bia May („Verkauf durch Amazon Media EU“)

E-Book für 0,99€

Elas Sohn wird immer gewalttätiger ihr gegenüber, Beleidigungen und Schubsen sind keine Seltenheit. Auch ihr restliches Leben hatte sich die Psychologin anders erträumt, die gescheiterte Ehe ist nur das was offensichtlich nicht funktionierte. Alex hingegen hat bisher immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden: bis er pleite geht und seine Frau mit den Töchtern zurück nach Frankreich zieht. Ela und Alex suchen beide in Bellagio nach Antworten auf ihr entmutigendes Leben.
Die Autorin traut sich in diesem Roman an ein mutiges Thema (Gewalt von Kindern gegenüber der Mutter/den Eltern) und schafft es die Charaktere so zu schildern, dass ihre Schicksale zu Herzen gehen. Es handelt sich keineswegs um einen Liebesroman, leider rutscht das Buch jedoch am Ende ins melodramatische ab. Trotzdem vermittelte der Schluss die Botschaft dieses Romans sehr gut. Die Geschichte gab mir das Gefühl in einem Traum der Hauptperson zu sitzen, da es viele unmöglich erscheinende Wendungen gab. Und das ist sogar recht positiv gemeint!

FAZIT: 3/5 Punkten
Ein Buch mit der Botschaft sein Leben in die Hände zu nehmen, mit der Vergangenheit abzuschließen und es von Grund auf umzukrempeln. Ab und zu etwas unwirklich und melodramatisch, aber trotzdem lesenswert!


Wie immer freue ich mich über Kommentare wie ihr die Bücher gefunden habt oder einfach Gedanken zum Thema!

Eure Anni